Nachrichten | 02. Mai 2019

Große Zukunft für kleine Terrassen

Von Walter Eberenz
Vor 30 Jahren legte der Familienbetrieb Benz in Oberkirch-Bottenau erstmals Kleinterrassen mithilfe professionellen Einsatzes von Bagger und Raupe an. Die winzerfreundliche, umweltfreundliche und landschaftsfreundliche Bewirtschaftungsform von Steillagen entwickelte sich seither kontinuierlich nach oben.
Die Jubiläumsgäste auf dem Betrieb der Familie Benz in Oberkirch-Bottenau: Hier wurden im April 1989 die ersten Steillagen mit Bagger und Raupe terrassiert.
Bei einer Jubiläumsfeier auf dem Pionierbetrieb, heute geleitet von Franz Benz, der auch Vizepräsident des Badischen Weinbauverbandes ist, sahen verschiedene Weinbaufachleute für die modernen Kleinterrassen weiterhin eine gute Zukunft voraus. Zahlen und Fakten dazu steuerte Johannes Werner, Weinbauberater am Landratsamt Ortenaukreis, bei.
Die Kleinterrassen entschärfen demnach wesentlich die wichtigsten Problembereiche des Steillagenweinbaus in der Ortenau: Arbeitszeit und Arbeitsintensität. Während Werner für Handarbeitssteillagen den Arbeitszeitbedarf auf bis zu 850 Stunden je Hektar taxierte, kommen solche Querterrassen, auf denen Maschinenarbeit möglich ist, mit 200 bis 400 Stunden aus.
Eine neue einsatzbare Maschine ist bereits in Sicht: „Der Steillagenvollernter ist keine Zukunftsmusik mehr. Der wird nächstes Jahr fahren”, sagte Johnannes Werner voraus. Laut dem Weinbauberater bestehen heute bereits 14 Prozent  der Rebfläche seines Zuständigkeitsbereiches zwischen Lauf und Hohberg aus Kleinterrassen, das sind 293 Hektar von insgesamt 2069 Hektar.
„Wir brauchen noch mehr davon”
Ortenauer Erfolgsgeschichte: Im Zuständigkeitsbereich des Landratsamtes Ortenaukreis sind bereits 14 Prozent der Rebfläche moderne Terrassenweinberge. Im Bild ein gerade laufender Weinbergumbau in der Durbacher Premiumlage Steinberg.
„Wir brauchen noch mehr davon”, schloss Johannes Werner und wies auf weitere Vorteile der Kleinterrassen hin wie Artenvielfalt, Landschaftsbild, Erosionsminderung und Wasserhaltekraft der Flächen. Vor den Vorteilen stehen hohe Anlagekosten. Dank öffentlicher Fördermittel von bis zu 18.000 Euro je Hektar, vor allem aus EU-Mitteln über das Programm zur Umstrukturierung und Umstellung (UuU) von Rebflächen, wurde die Flächenentwicklung der Kleinterrassen bis heute erst möglich.
Peter Wohlfarth, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, verbreitete bei der Jubiläumsfeier in Bottenau Zuversicht, dass das so bleibt. „Die Umstrukturierungsförderung zum Erhalt der Steillagen gilt als europäisches Vorzeigeprojekt”, weiß er aus Brüssel. Dennoch beklagen Winzer bei der Förderung auch bürokratische Ärgernisse (mehr dazu in Der Badische Winzer Mai 2019, S. 5).
Peter Wohlfarth sieht im Kleinterrassenbau „den einzig sinnigen Weg, die Steillagenkulisse zu erhalten”. Es werde dennoch nicht für alle Flächen gelingen. Vor allem um die Umweltwirkungen von Kleinterrassen kümmert sich neuerdings das Projekt BioQuis der Hochschule Geisenheim. Der Projektbeteiligte Timo Strack stellte es in Bottenau vor. Ergebnisse gibt es noch keine. Es sind jedoch gute Argumente für Artenvielfalt und Nachhaltigkeit zu erwarten, wie die bisherigen praktischen Erfahrungen zeigen.
Bei der Jubiläumsfeier waren zahlreiche Beteiligte am Ortenauer Kleinterrassenbau zugegen, von Berufsstand, Politik, Landwirtschaftsministerium, Behörden, Weinbranche und Firmen. Willi Stächele, der den Kleinterrassenbau in der Ortenau zunächst als Stadtoberhaupt von Oberkirch, dann als Landwirtschafts- und Finanzminister Baden-Württembergs begleitete, freute sich über den Erfolg und mahnte mit Blick auf die Zukunft zugleich: „Wenn in der Politik das Geld wieder knapper wird, müssen wir höllisch aufpassen, dass der ländliche Raum nicht zu kurz kommt.”