Fachliches | 06. Juli 2017

14 Tage vor dem langjährigen Mittel

Von Johannes Werner, Weinbauberate LRA Ortenaukreis
In den meisten Anlagen, die nicht vom Frost geschädigt wurden, sind die Ertragsaussichten bislang gut. Neben der Bekämpfung von Rebkrankheiten und Schädlingen stehen hier nun ertragsregulierende Maßnahmen an.
An sehr kompakten Trauben besteht erhöhtes Fäulnisrisiko.
Der Juni verwöhnte uns mit hochsommerlichen Temperaturen und zeigte, dass ein Triebwachstum von 10 cm pro Tag nicht nur in den Lehrbüchern möglich ist. Bei optimalen Blühbedingungen und einem rasanten Wachstum konnte Ende der Kalenderwoche 25, als dieser Bericht geschrieben wurde, das Stadium „Beginn des Traubenschlusses” in frühen Lagen festgestellt werden. Somit befinden wir uns etwa 14 Tage vor dem langjährigen Mittelwert. Zieht man die 100-Tage-Regel (von der Blüte bis zur Lese) zurate, so kann man von einem frühen Lesebeginn etwa Mitte September ausgehen. Mit durchschnittlichem Traubenansatz, aber guter Blühqualität und kaum Verrieselungen kann in den meisten Anlagen, die nicht vom Frost geschädigt wurden, zunächst von guten Ertragsaussichten ausgegangen werden. Zwar  erkennt man die unterschiedlichen Entwicklungsstadien der frostgeschädigten Anlagen noch deutlich, doch durch die guten Witterungsbedingungen sind diese Unterschiede etwas „zusammengerückt”. Größtenteils gesunde und gepflegte Bestände lassen die Herzen höher schlagen. Lediglich die fehlenden Niederschläge machen, zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes, besonders den Junganlagen zu schaffen. An den Standorten mit Wasserdefizit zeigen auch schon ältere Anlagen erste Mangelerscheinungen. Durch den ungewissen Wasserhaushalt ist eine wasserschonende Bodenbearbeitung hier sinnvoll. Das Walzen der Begrünung schützt vor Verdunstung, alternativ kann auch „abdeckend” gemulcht werden. Bei Junganlagen sollte auf einen freien Stockbereich geachtet werden. Das flache Unterfahren der Begrünung in jeder zweiten Gasse kann auch hilfreich sein. 
Rebschutz
Die bisherige Pflanzenschutzsaison kann überwiegend als entspannt betrachtet werden. Lediglich einige Infektionsereignisse haben hier und dort, vor allem an bodennahen Trieben, zu Ölflecken geführt. Die Bestände sind aber durch guten Rebschutz weitestgehend gesund (Stand 23. Juni). Durch die Witterung war es auch möglich, die 2016 stark genutzten tiefenwirksamen Peronosporafungizide – und dadurch auch den Geldbeutel – etwas zu schonen. Durch das schwülwarme Wetter geht aber weiterhin ein starkes Infektionsrisiko von Oidium aus. Die durch den Frost bedingte lange Blütephase öffnete ein breites Mehltaufenster und verlangte von den Betrieben engere Pflanzenschutzintervalle. Trotz hohen Infektionsrisikos trat Oidium bis auf wenige Ausnahmen aber kaum in Erscheinung. Das gleiche Bild zeigt sich auch in den Rebschulen. Durch guten Pflanzenschutz können die Bestände als vital und gesund bezeichnet werden. Entscheidender Faktor wird hier die Wasserversorgung sein.
Durch die schnelle Entwicklung der Anlagen und den damit prognostizierten frühen Lesetermin kann von einem Abschluss der Pflanzenschutzmaßnahmen 2017 um den Monatswechsel Juli/August ausgegangen werden. Der Traubenwickler bot bisher noch keinen Anlass zur Sorge. Der Flug der zweiten Generation dürfte bis spätestens Mitte des Monats vorüber sein. An Waldrandlagen sollte auf Zikadenbefall kontrolliert werden. Das alternierende Mulchen sorgt hier für ausreichend Ausweichpflanzen, sodass die Rebe als Nahrungspflanze weniger attraktiv erscheint.
 
Entblätterung ist eine der besten Maßnahmen gegen Fäulnis und KEF.

Stockarbeiten
Durch die gute Blüte und das starke Wachstum kann es, bei ausreichender Wasserversorgung, zu sehr kompakten Trauben kommen. Aufgrund der trockenen ersten Jahreshälfte sind im Spätjahr durchaus noch starke Niederschläge zu erwarten. Die Gefahr von Botrytis und der nachfolgenden Essigfäule sollte deshalb nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Im Juli sollte deshalb der Fokus auf vorbeugenden Maßnahmen gegen Botrytis liegen. Maßnahmen wie der Einsatz von Wachstumsregulatoren wie Gibb 3 und Regalis wurden in den gefährdeten Anlagen durchgeführt. Auch die mögliche Behandlung mit  Spezialbotrytiziden wurde zum Behandlungszeitraum „Beginn des Traubenschlusses” eingeplant. Für eine optimale Wirkung dieser Behandlung sollte zuvor aber eine Entblätterung durchgeführt werden. Ob die starke Sonneneinstrahlung und die Temperaturen um 40 °C in einigen früh entblätterten Lagen zu Sonnenbrandschäden geführt haben, kann zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht beurteilt werden. Bei der mechanischen Entblätterung stehen uns viele Möglichkeiten zur Verfügung. Ein moderates Ausblasen mit 0,4 bis 0,6 bar hat zum Beispiel eine starke Säuberung der Trauben zur Folge. Auch das Zupfen der Blätter kann Wirkung gegen Botrytis zeigen, hier kann auch eine Verzögerung des Befalls durch die Kirschessigfliege (KEF) erreicht werden. Zwar zeigt sich der KEF-Befall durch die für die Fliege ungünstige Witterung in den frühen Kirschen bis zum 23. Juni noch sehr gering, doch wir wissen aus Erfahrung, dass nur die letzten sechs Wochen vor der Traubenernte von Bedeutung sind. Mit dem nun zugelassenen Kombinationsverfahren steht uns in Zukunft eine weitere Möglichkeit der Bekämpfung der Kirschessigfliege zur Verfügung.
 
Ertragsregulierung
Zwar ist die Ertragserwartung durch den Frost sehr unterschiedlich, doch in den Anlagen ohne relevanten Schaden sollte nun an das Ausdünnen gedacht werden. Betriebe, die sowohl geschädigte als auch verschonte Anlagen haben, werden versuchen, ihren Ertrag etwas auszugleichen. Dieses Vorhaben macht nur bis zu einem gewissen Punkt Sinn. Verlieren Sie den Qualitätsgedanken und die Gesundheit Ihrer Reben nicht aus dem Gedächtnis. Beachten Sie, dass eine Ertragskorrektur mit Verweis auf die Kirschessigfliege bis spätestens zum Farbumschlag abgeschlossen sein sollte. 
Umstrukturierung
Zum Schluss sei noch an das Einreichen der Pfropfrebenrechnungen sowie der Rechnungen für die Tröpfchenbewässerung erinnert. Schicken Sie diese, sobald die beantragten Maßnahmen (Pflanzung, Tröpfchenbewässerung, eventuell Erstellung des Drahtrahmens) abgeschlossen sind, an die zuständigen Landratsämter. Für eine rasche Bearbeitung ist ein zeitnahes Einreichen von Vorteil. Die Frist zur Vorlage endet zum 15.Juli 2017. Bei Nichteinhaltung der Frist droht ein Ausschluss von der Förderung. Denken Sie  an das Erstellen einer Drahtrahmenanlage,  wenn die Flächen in Ihrem Flächenverzeichnis zum Infoschreiben mit der Hinweis-Nummer 3370 belegt sind.