Weinbauverband | 12. Januar 2022

Weinbau muss betriebswirtschaftlich noch Sinn machen

Von Walter Eberenz
In der Spitze fast 800 Zugeschaltete verzeichnete die zentrale und digitale Bereichsversammlung des Badischen Weinbauverbandes am 29. November. Verbandliche Themen waren Weinbaupolitik und die neue Dachmarke Baden. Fachvorträge ermöglichten Anerkennung für den Sachkundenachweis Pflanzenschutz.
Der Badische Weinbauverband führt die Bereichsversammlung digital durch.
Wir wären gerne vor Ort gewesen, um Ihre Anregungen und Kritik entgegenzunehmen”, bedauerte Verbandspräsident Rainer Zeller eingangs, dass es wegen Corona keine Präsenzveranstaltung in jedem Weinbaubereich Badens geben konnte. Der Badische Weinbauverband machte mit der zentralen und digitalen Ersatzveranstaltung am 29. November dennoch das Beste daraus, wie die Teilnahme zeigte: Über vier Stunden hinweg hatten sich zwischen rund 600 bis in der Spitze knapp 800 Personen zugeschaltet. In Offenburg persönlich präsent war hingegen nur eine Handvoll Akteure.
Rainer Zeller streifte in einem Rückblick wichtige Themen und Aktivitäten für den Verband im Jahr 2021. Bis ins Frühjahr hinein seien wegen Corona keine Präsenzveranstaltungen möglich gewesen. Als es wieder möglich war, machten sich Präsident und Geschäftsführung auf, allen Bereichen und ihren Verantwortlichen Besuche abzustatten und mit ihnen über Entwicklungen im Verband zu diskutieren.
Wunsch nach steigender Wertigkeit
Rainer Zeller
Beim neuen Bezeichnungsrecht wünscht sich Zeller für  die geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.) Baden „so viel Wertigkeit, dass es jeder Winzer positiv merkt, auch beim Auszahlungspreis”. Zum Austritt der Genossenschaftsorganisation aus dem Deutschen Weinbauverband bemerkte Zeller, dass man auf regionaler Ebene weiterhin konstruktiv zusammenarbeiten wolle. „Weinbau muss betriebswirtschaftlich noch Sinn machen”, wurde Zeller deutlich, als er auf die politischen Anforderungen für die Winzer in puncto Nachhaltigkeit zu sprechen kam. Nachhaltigkeit müsse ökonomisch, ökologisch und sozialverträglich sein, unterstrich der Verbandspräsident.
Der Verband wolle die Politik beim Wort nehmen, auch die ökonomische Situation der Betriebe zu verbessern, betonte Holger Klein als frisch bestellter Verbandsgeschäftsführer (siehe unten) bei diesem Punkt. Klein ging auf weitere wichtige Arbeitsfelder ein, die den Verband in den kommenden Wochen und Monaten beschäftigen werden: Biodiversität, Mindestlohn, Ökoweinbau und  Glyphosatverbot gehörten zu seinen Stichworten. Stets erinnerte er daran, dass es nicht ausschließlich darum gehen könne, Naturschutz- und Umweltbelange zu erfüllen. Es gelte genauso, die ökonomische Situation der Weinbaubetriebe zu berücksichtigen und sie zu verbessern. „Wir werden die Fördermittel einfordern”, sagte Klein zu den ehrgeizigen politischen Zielen für die Ausweitung des Ökoweinbaus. Er sprach sich dabei grundsätzlich dagegen aus, sich nur auf Öko zu fixieren; denn es gelte auch, den nachhaltigen Weinbau im Blick zu behalten. Zur Erreichung der berufsständischen Ziele strebt Klein an, „in Baden verbandsübergreifend eng und gut zusammenzuarbeiten”.
Neue Dachmarke Baden präsentiert
Holger Klein
Ein weiterer wichtiger Programmpunkt der zentralen Bereichsversammlung war die Präsentation der neuen Dachmarke „Baden – Der Garten Deutschlands”. Holger Klein bekundete hierzu, dass es darum gehe, „ein einladendes Bild von Baden zu transportieren”. „Die Vorzüge Badens sollen klar erkennbar werden”, so der neue Verbandsgeschäftsführer. Die Dachmarke sei aus der Weinbranche heraus zusammen mit Hotellerie und Gastronomie entwickelt worden. Ziel sei, sie auch für andere Branchen und Verbände in Baden nutzbar zu machen. Der Weinbauverband will dazu auf andere Verbände zugehen.
Kirsten Ives von der für die Dachmarke beauftragten Agentur und Christina Lauber, Geschäftsführerin Badischer Wein GmbH, informierten sodann über die Philospohie und die Nutzungsmöglichkeiten der neuen Dachmarke für Baden. „Nutzen Sie die Dachmarke, nutzen Sie die Motive, die Ihnen zur Verfügung stehen”, animierte Holger Klein das Publikum.
Behandelte Themen und Vorträge der zentralen Bereichsversammlung sind im Youtube-Kanal (www.youtube.com) des Badischen Weinbauverbandes eingestellt und dort abrufbar.
Fachvorträge für den Sachkundenachweis Pflanzenschutz
Die zentrale Bereichsversammlung des Badischen Weinbauverbandes wurde in Kooperation mit dem Staatlichen Weinbauinstitut (WBI) Freiburg bereichert durch fünf Fachvorträge rund um das Thema Pflanzenschutz. Moderiert wurde der Vortragsteil von Dr. Michael Breuer vom WBI. Zugeschaltete Winzerinnen und Winzer konnten sich die Teilnahme für den Sachkundenachweis Pflanzenschutz gutschreiben lassen.
Nachfolgend die Fachthemen und die Referenten:

Die Fachvorträge können im Youtube-Kanal (www.youtube.com) des Badischen Weinbauverbandes aufgerufen werden.
Bessere Strategien für den Ökoweinbau
Landwirtschaftsminister Peter Hauk fordert gemeinsam mit berufsständischen Fachverbänden Antworten auf  europäischer Ebene, um den Ökoweinbau unter den Bedingungen von Klimawandel und Extremwetterlagen    voranzubringen. Hauk hat Mitte Dezember gegenüber der EU-Kommission  geeignete Strategien und Mittel im ökologischen Weinbau zum Schutz der Reben sowie zur Sicherung auskömmlicher Einkommen der Winzer  angemahnt.  Es brauche  Antworten auf europäischer Ebene, forderte er im Gespräch mit Vertretern der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission sowie mit Vertretern des Weinbaus und der Ökoanbauverbände.
Der Minister verwies auf die äußerst schwierigen Witterungsbedingungen  2021 und auf die fehlenden Möglichkeiten, die Reben im ökologischen Anbau vor Ernteschäden durch Pilzerkrankungen zu schützen. Die Verbandsvertreter machten laut Agrarressort auf die „teils bedrohliche Situation” für die Ökowinzer aufmerksam. Unter diesen Bedingungen sei ökologischer Weinbau betrieblich nicht nachhaltig und  nicht attraktiv. Erfahrungen wie 2021 hätten zur Folge, dass weitere Betriebe eine Umstellung scheuten oder sogar wieder rückgängig machten.
(AgE)
Peter Wohlfarth gewürdigt – Holger Klein Nachfolger
Peter Wohlfarth
Peter Wohlfarth, der scheidende Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, nutzte die zentrale Bereichsversammlung, um sich von den Winzerinnen und Winzern zu verabschieden und sich für die nahezu 16 Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit zu bedanken. „Es war für mich eine Ehre, jeden Tag zum Verband zur Arbeit zu gehen – ich gehe mit Wehmut”, sagte er sichtlich bewegt. Aus gesundheitlichen Gründen verlässt Wohlfarth die Verbandsgeschäftsstelle früher als von ihm geplant.
Verbandspräsident Rainer Zeller würdigte Wohlfarths großes Engagement über viele Jahre  zum Wohle von Badens Winzern und des Weinbauverbandes. „Wir wissen, welch große Fußstapfen Du hinterlässt”, erklärte Zeller. Er verband dies „mit viel Verständnis und großem Respekt” für Wohlfarths Entscheidung.  
Der Verbandspräsident informierte sodann das online zugeschaltete Publikum, dass Holger Klein, bisher stellvertretender Geschäftsführer, zum 1. Januar 2022 vom Verbandspräsidium einstimmig zum neuen Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes bestellt wurde. „Wir sind sicher, dass wir mit ihm einen würdigen Nachfolger gefunden haben”, betonte Zeller. Holger Klein dankte Peter Wohlfarth für die vertrauensvolle Zusammenarbeit der letzten beiden Jahre. „Ich bin mir der Größe der Herausforderungen bewusst”, so Klein.