Fachliches | 15. Dezember 2016

Der Jahrgang 2015 in Baden

Von Herbert Krebs, Staatliches Weinbauinstitut Freiburg
2015 lagerten die badischen Betriebe einen Jahrgang mit geringer Menge, früher Reife und hohen Mostgewichten ein. Im Vergleich zum Jahrgang 2014 mit seinen hohen Erträgen kann man von einem sehr guten Jahrgang sprechen.
2015 konnten die Winzer meist vollreife, durchgefärbte und kerngesunde Trauben ernten – hier eine vollrreife, lockere Spätburgundertraube.
Nach einem milden Winter erfolgte ein früher Austrieb. Ein heftiges Gewitter am 13. Mai führte vor allem im südlichen Kaiserstuhl zu starken Hagelschäden. Aufgrund des frühen Termins und der langen Vegetationsdauer konnten die nachgewachsenen Geiztrauben noch ausreifen, was die Verluste deutlich reduzierte. Bei Bilderbuchwetter verlief die Blüte sehr rasant und war bereits am ersten Juniwochenende abgeschlossen. Es folgten zwei heiße Sommermonate mit Temperaturen über 35 °C. Junge Rebanlagen sowie Reben auf skelettreichen oder weniger tiefgründigen Böden hatten bei dieser Hitze mit der Trockenheit zu kämpfen. Nur wenige Standorte konnten bewässert werden. Auf den nachhaltigen Lössböden reichten die Wasserreserven aus und die Vegetation blieb bis zur Ernte vital. Erfreulicherweise fühlte sich die Kirschessigfliege bei den hohen Temperaturen nicht wohl. Um dem Kirschessigfliegen-Befall vorzubeugen, hatten die Winzer zudem die Reben deutlicher entblättert als in den Vorjahren.
 
Im Schnitt nur 75 hl/ha geerntet
Die Trockenheit führte zu einer reduzierten Zellteilung und somit zu kleinen Beeren. Da die Mostgewichte schnell anstiegen, erntete man bereits Ende August die ersten Spätburgundertrauben. Die Hauptlese setzte in Baden in der zweiten Septemberwoche ein. Es wurde empfohlen, mit den Burgunderrebsorten zu beginnen und den reicher tragenden Müller-Thurgau noch etwas reifen zu lassen. Bereits in der ersten Oktoberwoche war die Ernte weitgehend abgeschlossen. Die leichte Verrieselung bei der Blüte hatte zu einer geringeren Beerenanzahl an den Trauben geführt. In Verbindung mit  der unterdurchschnittlichen Beerengröße durch die Trockenheit führte dies zu einer geringen Ausbeute beim Keltern. Es wurden nur 75 hl Wein je Hektar Ertragsrebfläche eingelagert (Tabelle 1).
Ein sehr guter Jahrgang
Jedoch durften die Kellermeister vollreife, durchgefärbte und kerngesunde Trauben aus der Hand der Winzer übernehmen. Die Mostgewichte lagen nahezu ausschließlich im Prädikatsweinbereich (Tabelle 2). Viele Betriebe vermarkten alles unter dem Begriff Qualitätswein und stuften ihre Erzeugnisse bereits bei der Erntemeldung ab. Nach dem Herbst blieb es warm und trocken. Auf einigen Rebflächen wartete man daher mit der Lese, um Auslesen zu ernten. Die erhofften Eisweine konnten erst spät eingebracht werden, nur ein einziger Tag, der 18. Januar 2016, stand den Winzern hierfür zur Verfügung. Dieser Jahrgang 2015 zählt sicherlich zu den besten Jahrgängen der letzten Jahre. Die hohen Mostgewichte führten zu recht kräftigen Alkoholgehalten. Gelegentlich verblieb in den Weinen etwas Restzucker. Herausragende Weinerzeuger bemühten sich um eine gute Balance zwischen dem Alkohol und den weiteren Inhaltsstoffen des Weines.
In einigen Fällen wurden sehr alkoholbetonte Weine mit leichteren Weinen verschnitten. Wer leichte Weine liebt, wählt Müller-Thurgau oder Gutedel Kabinett oder greift auf die Restbestände des Jahrgangs 2014 zurück. Spezielle Beachtung haben die 2015er Weine der Burgundergruppe verdient, wobei die Rotweine besonders herausragen.