Wein und mehr
| 01. April 2021
Dinner im Camper
Von Petra Littner
Restaurantbesuche sind seit Monaten nicht möglich. Das brachte kreative Köpfe auf die Idee des Wohnmobil-Dinners. Wie funktioniert das und wie fühlt es sich an? Beim Weingut Weber in Ettenheim haben wir es ausprobiert.
Corona-geplagt, wie wir alle inzwischen sind, zeigen wir uns für kleine Abwechslungen empfänglich. Wohl deshalb war mir der Facebook-Post gleich aufgefallen, in dem es hieß: „WohnmobilDinner – Essen gehen mit und in den eigenen vier Wänden”. Einem Link folgend war ich auf dem Social-Media-Account des Weinguts Weber im Breisgau gelandet, das für Weinerlebnisse unterschiedlicher Art bekannt und unter rund 120 teilnehmenden Gastronomen in Baden der einzige Winzerbetrieb mit angeschlossenem Restaurant mit diesem Angebot ist.
Einen Klick weiter hatte ich kurzentschlossen einen freien Termin Mitte März ergattert. Meine Neugier war geweckt: Wie mag das ablaufen? Entspricht das Servierte der Qualität im Restaurant? Und vor allem: Wie ist die Atmosphäre, wenn Essen im Camper serviert wird?
Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Beim Wohnmobil-Dinner sollte sich das Glücksgefühl aber über den Abend sogar noch steigern und die Erinnerungen daran lange nachwirken. Dafür sorgte schon der herzliche Empfang bei Webers Restaurant, wo wir mit der Registrierung zunächst einen von 15 verfügbaren Parkplätzen zugewiesen und die „Spielregeln” mitgeteilt bekamen. Kaum waren alle Camper untergebracht, startete die Genussreise auch schon mit einem Apéritif.
Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Beim Wohnmobil-Dinner sollte sich das Glücksgefühl aber über den Abend sogar noch steigern und die Erinnerungen daran lange nachwirken. Dafür sorgte schon der herzliche Empfang bei Webers Restaurant, wo wir mit der Registrierung zunächst einen von 15 verfügbaren Parkplätzen zugewiesen und die „Spielregeln” mitgeteilt bekamen. Kaum waren alle Camper untergebracht, startete die Genussreise auch schon mit einem Apéritif.
Neben diesem Gläschen Secco wollten wir unsere Alkoholkapazität für einen begleitenden Wein zum Essen aufsparen. Denn, das muss man wissen, übernachten darf man anschließend leider nicht. Grund dafür ist das touristische Beherbergungsverbot, das im Rahmen des Lockdowns auch für Camping- und sonstige Stellplätze gilt. In Anbetracht des verheißungsvollen Menüs nahmen wir diese Einschränkung ganz gelassen.
Ein fabelhaftes Menü
Es erwarteten uns hausgebackenes Brot mit Walnusspesto, knackiger Salat, Kräuterrahmsüpple mit Bärlauch,
Rinderrückensteak unter der Bärlauchkruste mit Kartoffelgratin und
feinem Gemüse sowie zum Abschluss eine feine Mascarponecreme mit
Mangospalten – feine Gaumenfreuden, mit denen Küchenmeisterin und
Restaurantinhaberin Stefanie Weber mit ihrer Crew den Frühling bravourös
in Szene setzte. Vegetarier erhielten zum Menüpreis vom 49 Euro pro
Person im Hauptgang knusprigen Grillkäse.
Korrespondierend zu den
Menügängen hätten wir am liebsten verschiedene Weine aus der kleinen
Vorauswahl bestellt. Da jedoch nur flaschenweise verkauft werden darf,
entschieden wir uns für den Allrounder Weißburgunder als geeigneten
Begleiter zu den kräuterbetonten Leckereien.
Schnell war uns das Anklopfen vertraut, mit dem das Servicepersonal sich und damit den nächsten Teller ankündigte. Anders als bei den meisten Anbietern wird bei Webers die Bestellung nämlich nicht in einer Box vors Fahrzeug gestellt, sondern die einzelnen Gänge werden hübsch angerichtet auf Porzellan serviert.
Der Service klappte hervorragend und erwies sich von der eingangs hereingereichten Tischdeko über die Abstände zwischen den Menüfolgen bis zum entspannten Genießen fast wie ein Restaurantbesuch. Nur eben in den „eigenen vier Wänden” und – als zusätzlicher positiver Faktor – ohne Lieferkartons und Einwegschalen. Rundum gelungen, möchte man sagen, abgesehen vom bereits erwähnten Wermutstropfen: der behördlich verordneten Abreise.
Schnell war uns das Anklopfen vertraut, mit dem das Servicepersonal sich und damit den nächsten Teller ankündigte. Anders als bei den meisten Anbietern wird bei Webers die Bestellung nämlich nicht in einer Box vors Fahrzeug gestellt, sondern die einzelnen Gänge werden hübsch angerichtet auf Porzellan serviert.
Der Service klappte hervorragend und erwies sich von der eingangs hereingereichten Tischdeko über die Abstände zwischen den Menüfolgen bis zum entspannten Genießen fast wie ein Restaurantbesuch. Nur eben in den „eigenen vier Wänden” und – als zusätzlicher positiver Faktor – ohne Lieferkartons und Einwegschalen. Rundum gelungen, möchte man sagen, abgesehen vom bereits erwähnten Wermutstropfen: der behördlich verordneten Abreise.
Die Initialzündung
Weingutsinhaber Michael Weber und seine Frau Annika waren
schon im Vorjahr zu Beginn des Lockdowns im Herbst 2020 auf das Konzept
des „Wohnmobil-Dinners” aufmerksam geworden. Umgehend hatten sie ihren
Transporter ausgeräumt, mit einem Tisch und Stühlen ausgestattet und
waren zum Schlemmen zu einem befreundeten Gastronomen gefahren – und
schließlich begeistert von der Initiative.
Schnell überzeugten sie Michaels Schwester Stefanie, die momentan für jede Idee, mit der sie ihr Restaurant durch die Zwangsschließung bringen kann, dankbar ist. Und so startete das Team noch im November 2020 mit dem neuen Konzept – bis zur Ausgangssperre. Die Absage bereits reservierter Termine enttäuschte nicht zuletzt die vielen Gäste, die sich jedoch seit dem Neustart am 20. Februar wieder rege anmelden.
Schnell überzeugten sie Michaels Schwester Stefanie, die momentan für jede Idee, mit der sie ihr Restaurant durch die Zwangsschließung bringen kann, dankbar ist. Und so startete das Team noch im November 2020 mit dem neuen Konzept – bis zur Ausgangssperre. Die Absage bereits reservierter Termine enttäuschte nicht zuletzt die vielen Gäste, die sich jedoch seit dem Neustart am 20. Februar wieder rege anmelden.
Die Freitage und Samstage sind immer schnell ausgebucht,
so dass Stefanie Weber den Donnerstag als Ersatztermin anbietet.
„Einfacher wäre es, wenn wir am Wochenende mehr Gäste bedienen könnten”,
erklärt die Gastronomin. Dafür fehlen aber geeignete Stellplätze – die
Camper sollten ja möglichst waagerecht parken können – und auch die
Servicewege würden zu lang.
Dankbar für die Bewirtungsmöglichkeit
Insgesamt acht Personen legen sich pro
Dinner ins Zeug, um den Wohnmobilisten einen schönen Abend zu
bereiten. Gut gelaunt reichen sie kontaktlos auf Tabletts die frisch
zubereiteten Speisen herein, erfüllen Getränkewünsche und jonglieren
auch bei Wind und Wetter Geschirr und Essen geschickt über den Hof.
Die
Aktion bedeutet einen erheblichen Aufwand für die Betreiber und ist
kein Vergleich zum Umsatz mit den 80 Sitzplätzen, die im Gastraum zur
Verfügung stehen. Dennoch sind alle froh über die Veranstaltungen, die
ein bisschen Geld in die überstrapazierte Kasse und ein wenig
Abwechslung in den Alltag bringen. Und die durchweg positive Resonanz
der Gäste entschädigt für das umständliche und zeitaufwendige
Genehmigungsverfahren durch das örtliche Ordnungsamt und das
Landratsamt.
Auflagen
Die Bewirtung unter Corona-Bedingungen
schreibt unter anderem vor, dass Gäste den Kontakt untereinander
vermeiden und ihre Fahrzeuge während des Dinners nicht verlassen. Das
Servicepersonal wiederum darf die Wohnmobile nicht betreten, die Speisen
müssen wie bei „To-Go-Angeboten” mit Abstand zur Lokalität verzehrt
werden und im Restaurant bleibt die WC-Anlage geschlossen. Mit Beginn
der Pandemie und folglich geschlossenen Ferienwohnungen, Pensionen und
Hotels entdecken immer mehr Menschen das individuelle und weitgehend
autarke Reisen als neue und sichere Urlaubsalternative. Wohnmobilisten,
die auf ihren Touren sonst ebenso häufig Gäste der örtlichen Gastronomie
sind, erwiesen sich bald als dankbare Abnehmer von Speisen zum
Mitnehmen. Sie sind auch die Zielgruppe für Essensangebote, die unter
Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln serviert werden.
Das WohnmobilDinner - eine Idee, die den Nerv trifft
Die öffentliche Facebook-Gruppe „WohnmobilDinner – das Original”, die zu Beginn der zweiten Corona-Welle am 10. November 2020 von Silja von Garn, einer begeisterten Wohnmobilistin aus dem Ortenaukreis, und Ronny Marzin, Inhaber des Restaurants Landglück in Nesselried, gegründet wurde, wuchs innerhalb kurzer Zeit auf mehr als 37.500 Mitglieder.
Für Gastronomen wie auch Wohnmobilisten war damit eine Plattform geschaffen, auf der Angebote beworben, Reservierungen vorgenommen und Erfahrungen ausgetauscht werden können.
Deutschlandweit bieten rund 800 Restaurants das „WohnmobilDinner” an. Sie sind hier aufgeführt, wo man Standorte und Themen nach Postleitzahl oder per Karte suchen kann. Auch unter www.WohnmobilDinner.net wird das Prinzip ausführlich erklärt.
Das Konzept, frisch zubereitete Speisen Coronakonform zum Verzehr anzubieten, etablierte sich schnell und eröffnete vielen Restaurants während der Zwangsschließung eine Einnahmequelle. Wohnmobilisten unterstützen das Motto „support your local” gerne. So prägte während des Lockdowns ein gänzlich neues Genussformat die deutsche Gastronomielandschaft. Dabei haben vor allem Restaurants diesen Service eingerichtet.
Neben dem Angebot beim Weingut Weber in Ettenheim hat sich inzwischen auch das Gasthaus Blume aus Freiburg-Opfingen einen Weinpartner ins Boot geholt: Ende März startete Wirt Sascha Halweg gemeinsam mit der Winzergenossenschaft Wolfenweiler das „Schwarzwald-Tapas-Menü” in Kombination mit einer Online-Weinprobe. Über Zoom – eine cloudbasierte Möglichkeit für Videomeetings − lernen sich die Teilnehmenden dabei sogar kennen. Sie können online den Restaurantmitarbeiterinnen und -mitarbeitern über die Schulter schauen und mit den Weinmachern während der Verkostung in Kontakt treten.
Für Gastronomen wie auch Wohnmobilisten war damit eine Plattform geschaffen, auf der Angebote beworben, Reservierungen vorgenommen und Erfahrungen ausgetauscht werden können.
Deutschlandweit bieten rund 800 Restaurants das „WohnmobilDinner” an. Sie sind hier aufgeführt, wo man Standorte und Themen nach Postleitzahl oder per Karte suchen kann. Auch unter www.WohnmobilDinner.net wird das Prinzip ausführlich erklärt.
Das Konzept, frisch zubereitete Speisen Coronakonform zum Verzehr anzubieten, etablierte sich schnell und eröffnete vielen Restaurants während der Zwangsschließung eine Einnahmequelle. Wohnmobilisten unterstützen das Motto „support your local” gerne. So prägte während des Lockdowns ein gänzlich neues Genussformat die deutsche Gastronomielandschaft. Dabei haben vor allem Restaurants diesen Service eingerichtet.
Neben dem Angebot beim Weingut Weber in Ettenheim hat sich inzwischen auch das Gasthaus Blume aus Freiburg-Opfingen einen Weinpartner ins Boot geholt: Ende März startete Wirt Sascha Halweg gemeinsam mit der Winzergenossenschaft Wolfenweiler das „Schwarzwald-Tapas-Menü” in Kombination mit einer Online-Weinprobe. Über Zoom – eine cloudbasierte Möglichkeit für Videomeetings − lernen sich die Teilnehmenden dabei sogar kennen. Sie können online den Restaurantmitarbeiterinnen und -mitarbeitern über die Schulter schauen und mit den Weinmachern während der Verkostung in Kontakt treten.