Fachliches | 04. Mai 2017

Frostschäden verringern den N-Bedarf

Von Dr. Monika Riedel, WBI Freiburg; Anja Heckelmann, LTZ Augustenberg; Dr. Dietmar Horn, Bodengesundheitsdienst Ochsenfurt
Welche Stickstoff-Menge ist in diesem Jahr die richtige? Besonders nach dem Spätfrost stellen sich viele Winzer diese Frage. Wir geben Hilfestellung.
Wer als Landwirt wesentliche Nährstoffmengen düngt, im Sinne des Gesetzes sind dies mehr als 50 kg Gesamtstickstoff oder mehr als 30 kg Phosphat (P2O5) je Hektar und Jahr, muss zuvor den Bedarf für jeden Schlag oder jede Bewirtschaftungseinheit feststellen. Das schreibt die novellierte Düngeverordnung vor.
Zukünftig betrifft das auch kleinere Betriebe, die mehr als zwei Hektar Sonderkulturen wie Gemüse, Hopfen, Wein oder Erdbeeren anbauen. Sie müssen den ermittelten Düngungsbedarf sowie die Verfahren, die zur Ermittlung des Düngebedarfs und der im Boden verfügbaren Nährstoffmengen angewendet wurden, aufzeichnen. Sie haben bis zum 31. März einen betrieblichen Nährstoffvergleich für die Zu- und Abfuhr von Stickstoff und Phosphat für das abgelaufene Düngejahr zu erstellen.
Termin der N-Düngung
Der Stickstoff sollte in Steillagen kurz vor dem Rebenaustrieb ausgebracht werden, ansonsten zum Austrieb oder rechtzeitig vor der Rebblüte, also etwa Ende April bis Mitte Mai. Auch Mehrnährstoffdünger, die Stickstoff enthalten („Volldünger”), sollen erst zum Rebenaustrieb auf den Boden kommen.
Dünger mit hohem Ammoniumanteil sollten möglichst vor größeren Niederschlägen oder vor einer Bodenbearbeitung in den Weinberg kommen, damit die Nährstoffe schnell in den Boden gelangen und nicht zu viel Stickstoff als Ammoniak in die Luft entweicht.
Zur Ermittlung des Stickstoffbedarfs im Weinbau werden häufig Berechnungs- und Schätzverfahren genutzt, die auf fachspezifischen Erkenntnissen beruhen. Die Höhe der N-Düngung hängt hauptsächlich ab von der Wüchsigkeit der Reben, dem Ertrag, der Bodenpflege und dem Humusgehalt. In den meisten Jahren werden zwischen 40 und 70 kg N/ha benötigt.
Stickstoff-Düngebedarf geringer
Frostgeschädigte Rebanlagen brauchen weniger oder keinen Stickstoffdünger.
Frostgeschädigte Rebanlagen brauchen jedoch weniger oder keinen Stickstoffdünger. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Böden zu Beginn der Vegetationszeit relativ viel Nitrat und andere pflanzenverfügbare Stickstoffverbindungen enthielten. Daher war auch zum Start in das Rebenjahr 2017 der Düngebedarf in den meisten Flächen etwas geringer mit rund 30 bis 60 kg N/ha.
In Junganlagen reicht in der Regel eine Düngung von 30 bis 50 kg N/ha. Bei hohen Nitratgehalten oder häufiger Bodenbearbeitung kann auch ganz auf eine N-Düngung verzichtet werden. Insbesondere in Neuanlagen ist wegen der vorausgehenden intensiven Bodenbearbeitung so viel Nitrat vorhanden, dass eine N-Düngung nur in seltenen Fällen notwendig ist.
Nach jeder Bodenbearbeitung ist innerhalb von etwa zwei bis drei Wochen mit einer Freisetzung von mindestens 20 kg N/ha zu rechnen. Bei sehr stark wüchsigen Reben soll die Stickstoffdüngung ganz unterbleiben und bei hohen Humusgehalten – über 4 % bei steinigen Böden oder über 2,5 % bei steinarmen Böden, gemessen in einer Beprobungstiefe bis 30 cm – wegen der erhöhten Nachlieferung um mindestens 20 kg N/ha reduziert werden.
In sehr schwachwüchsigen Anlagen oder wenn hohe Erträge erwartet werden, beispielsweise in Anlagen mit Müller-Thurgau, kann der N-Düngebedarf bei ganzflächiger Begrünung auf humusarmen Böden bis zu 80 kg N/ha betragen. Bei Reben mit sehr starkem oder sehr schwachem Wuchs ist außerdem die Bodenpflege zu optimieren.
Nmin-Methode
Schätzverfahren werden für Baden-Württemberg erläutert in der Broschüre „Düngung von Ertragsreben”, die im November 2010 vom Ministerium für Ländlichen Raum herausgegeben worden ist. Auf einigen Flächen werden auch Messmethoden, wie die EUF- oder Nmin-Bodenuntersuchung in Kombination mit Schätzverfahren angewendet. Zudem können die Ergebnisse eigener Bodenuntersuchungen oder die im Folgenden vorgestellten Messwerte und Düngeempfehlungen auch für weitere vergleichbare Standorte übernommen werden.
Die N-Düngung nach der Nmin-Methode orientiert sich am Sollwert 70 kg N/ha. Davon wird der Nitrat-N-Gehalt des Bodens abgezogen. Seit 15. März 2017 wurden in Baden-Württemberg im Mittel 13 kg Nitrat-N/ha gemessen (Median aus 261begrünten, bis 60 cm Tiefe beprobten Rebflächen, NID-Auswertung vom 24. April 2017).
Bei 13 kg Nitrat-N/ha im Boden wird eine N-Düngung von 57 kg N/ha empfohlen. Davon sollte, abhängig von Wüchsigkeit, Traubenertrag, Humusgehalt und Bodenpflege, ein Zu- oder Abschlag gerechnet werden. Der Nitratinformationsdienst (NID) stellt aktuelle Nmin-Werte für Reben und weitere Kulturen online.
Bodenproben für eine Nitratuntersuchung können in Ertragsanlagen im Zeitraum 15. März bis 30. Juni, in Junganlagen bis 31. Juli entnommen werden. Der NID wird derzeit aktualisiert, da die Berechnung des N-Düngebedarfs um die Vorgaben der novellierten Düngeverordnung ergänzt werden muss. Dies wurde zum Anlass genommen, eine Webanwendung für die N-Düngebedarfsberechnung zu erstellen, in welcher in Zukunft auch die Online-Teilnahme am NID möglich sein wird. Es werden jedoch weiterhin Papiererhebungsformulare zur Teilnahme am NID zur Verfügung gestellt.
N-Düngeempfehlung nach der EUF-Methode
Bei der EUF-Methode (Elektro-Ultra-Filtration) werden in Bodenproben aus 0 bis 60 cm neben Nitrat auch leicht mineralisierbare organische Stickstoffverbindungen extrahiert. Sie geben Auskunft über das Stickstoff-Nachlieferungspotenzial während der Vegetation. Weitere Angaben zu Bodenpflege, Wüchsigkeit, Steinanteil und durchwurzelbarer Bodentiefe fließen in die EUF-Düngeempfehlung für Stickstoff ein. Zudem werden Nährstoffe wie Phosphat, Kalium, Kalk, Magnesium und Bor bestimmt und Düngeempfehlungen ausgesprochen.
Im Jahr 2017 wurden in Deutschland über 2000 Bodenproben nach dem EUF-Verfahren für Reben untersucht; davon stammten rund 1100 aus Franken, rund 800 aus Baden-Württemberg und 150 aus Rheinhessen. In Abhängigkeit vom Stickstoffvorrat, dem Nachlieferungsvermögen des Bodens und von der Bewirtschaftung werden unterschiedliche N-Empfehlungen ausgesprochen. 
2017 deutlich höhere Stickstoffgehalte im Boden
Es fällt auf, dass 2017 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich höhere Stickstoffgehalte in den Böden gemessen wurden. Demzufolge sind die N-Empfehlungen im Mittel niedriger als 2016. Wird ohne Begrünung, also offen bewirtschaftet, haben nahezu die Hälfte der untersuchten Böden so viel Stickstoff, dass keine N-Düngung empfohlen wird. Bei einer Herbst- oder Winterbegrünung werden für einen Großteil der Weinbergsböden zwischen 20 und 35 kg N/ha empfohlen.
Zunehmende Anteile an Dauerbegrünung führen zu höheren Empfehlungen. Während bei Dauerbegrünung in jeder zweiten Gasse im Mittel 35 kg N/ha ausgesprochen werden, erhalten ganzflächig dauerbegrünte Böden eine Empfehlung von 47 kg N/ha. Wäh-
rend in Franken die Bewirtschaftung als Dauerbegrünung in jeder zweiten Gasse vorherrscht (51 %), werden nur 15 % ganzflächig begrünt.
Hingegen beträgt der Anteil in Baden-Württemberg für Dauerbegrünung in jeder zweiten Zeile lediglich 21 %, jedoch 68 % für ganzflächige Dauerbegrünung. Ursache hierfür sind die geringeren Niederschlagsmengen in Franken, die den Anteil für eine ganzflächige Dauerbegrünung begrenzen. Offen bewirtschaftete Rebflächen sind kaum noch anzutreffen (5 %). Eine Auswahl der Ergebnisse für typische Bewirtschaftungsformen ist im Balkendiagramm dargestellt.
 
In Baden-Württemberg SchALVO beachten
In Nitratproblem- und -sanierungsgebieten sind in Baden-Württemberg die Vorgaben der SchALVO zur Bemessung der N-Düngung unbedingt zu beachten. Es müssen gewisse Flächenanteile beprobt und mit der Nmin-  oder der EUF-Methode untersucht werden. Näheres dazu hier