Nachrichten | 30. June 2016

Unkonventionell mit Wein umgehen

Von Petra Littner
Mit der Vereinsgründung hat sich die „Generation Pinot” eine feste Struktur geschaffen. Ihren Ideen und Ausführungen lassen sie aber am liebsten freien Lauf. Die kommen gut an – bei jungen wie auch erfahrenen Weinfreunden.
Die Vorsitzenden der Generation Pinot: Jonas Landerer und Michael Zimmer (v.l.)
Inzwischen ist die Mitgliederzahl der Generation Pinot auf rund 60 angewachsen. Die kommen aus ganz Baden, sind bis zu 39 Jahre alt und begeistern sich allesamt für Wein. Sei es als Winzer, Kellermeister, Weinguts- oder Winzergenossenschaftsmitarbeiter oder in irgendeiner anderen, mit Wein verbundenen Weise. Aktiv ist die Jungwinzervereinigung bereits seit 2012, doch nun sei es Zeit gewesen, dem Ganzen einen Rahmen zu geben, erzählt Michael Zimmer vom Weingut Scherer in Bad Krozingen im Markgräflerland. Bei der Vereinsgründung im Februar dieses Jahres hat er den Vorsitz übernommen, Jonas Landerer aus Vogtsburg-Oberrotweil im Kaiserstuhl und Mitgliedswinzer der örtlichen Winzergenossenschaft, unterstützt ihn als zweiter Vorsitzender. Natürlich wurden auch ein Kassenwart – Dankwart Delor vom Weingut Hess in Gottenheim am Tuniberg – und eine Schriftführerin – Bettina Schumann vom gleichnamigen Weingut in Bahlingen (Kaiserstuhl) – gewählt. Außerdem wurde der Beirat besetzt mit Felix Scherer (Weingut Scherer, Bad Krozingen / Markgräflerland) Maximilian Bohnert (Weingut Bohnert, Ober-Achern / Ortenau), Adrienne Streif (Winzerkeller Auggener Schäf / Markgräflerland) und Simon Weiß (Weingut Rosenhof, Bahlingen / Kaiserstuhl), Martin König (Weingut Moosmann, Buchholz / Breisgau) und Natalie Henninger (WG Königschaffhausen-Kiechlinsbergen / Kaiserstuhl).
„Wir wollen es ein bisschen anders machen”, erklärt Jonas Landerer auf die Frage, wie die Generation Pinot sich eine Weinpräsentation vorstellt. Und mit „anders” meint er, weg von der klassischen Weinprobe. Deshalb habe man beispielsweise beim Freiburger Weinfest von Donnerstag, 7. bis Dienstag, 12. Juli keinen Weinbrunnen, sondern eine chillige Lounge im Innenhof des historischen Kaufhauses. An einer Theke werden Weine und Sekte der „Pinots” ausgeschenkt, die man auf unkonventionellen Sitzmöbeln aus Paletten genießen kann, während ein DJ fetzige Musik auflegt. Das kommt super an, freuen sich die beiden Vorsitzenden und erinnern sich dabei auch an die erste Wein-Clubber-Party, die kürzlich in Offenburg als trendige Kombination von Verkostung und angesagten Beats ein toller Erfolg war.
Daneben entwickele sich die Jungweinprobe im Peterhofkeller in Freiburg zu einem zunehmend beliebten Treffpunkt von Weinfreunden und -kennern. Aber auch in der Vermarktung ihrer Erzeugnisse sind die Pinots experimentierfreudig. So sorgte die Wein-Box für Aufsehen, als sie Ende 2014 erstmals aufgelegt wurde. Der Clou daran: Wie bei einem Adventskalender gibt es 24 Türchen. Dahinter befinden sich jedoch anstelle von Schokolade 24 verschiedene Weine von zwölf Betrieben. Das war eine geniale Idee, erinnert sich Michael Zimmer. Zumal sich die etwas andere Weinreise durch Baden seitdem als süffisantes Genusserlebnis wie auch als prima Geschenk erweise.
Nichts für Konservative
Die jugendlich-frischen Ideen der Generation Pinot sorgen für Aufmerksamkeit. Und genau das wollen die ganz und gar nicht konservativen Weinliebhaber für den Berufsnachwuchs erreichen: Baden gemeinsam voranbringen und als Deutschlands drittgrößte Weinanbauregion stärken. Deshalb beteiligen sie sich auch an vielen Messen, wie den Baden-Württemberg Classics in Berlin (29./30. Oktober) und Hannover (19./20. November). Auftritte wie diese geben ihnen nämlich die Gelegenheit, mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen, die Vielfalt vorzustellen und Lust zu machen auf die hervorragenden Weine und Sekte, die sie für einen Erzeugerbetrieb oder ihr eigenes Weingut ausschenken. „Vielleicht ist unser Konkurrenzdenken noch nicht so ausgeprägt”, meint Jonas Landerer zu dem unkomplizierten Miteinander. Und Michael Zimmer ergänzt: „Es ist es einfach wirkungsvoller, wenn wir als Gemeinschaft auftreten.” Ihr überdurchschnittlich großes Engagement hat der Generation Pinot im Übrigen 2015 die DLG-Auszeichnung „Jungwinzervereingung des Jahres” eingebracht. Innerhalb ihres Vereins profitieren die Mitglieder von attraktiven Angeboten. So werden Exkursionen unternommen, Workshops veranstaltet und der Austausch mit anderen Jungwinzern gepflegt. An Weinmessen können eigene Weine an einem Stand präsentiert und Werbematerialien der Gemeinschaft genutzt werden. Heute sind die Jungwinzer froh über den Anstoß zu dem Zusammenschluss. Den hatte damals Sonja Höferlin von der Badischer Wein GmbH gegeben und die ersten Gehversuche begleitet. Eine weitere hilfreiche Stütze in allen rechtlichen und weinbaulichen Fragen ist seither auch der Badische Weinbauverband.
Auf dem Vereinsfundament als seriöse Gruppe wahrgenommen zu werden, ist für die
„Pinots” sehr wichtig. Und die Wertschätzung, die ihnen innerhalb der Weinbranche entgegengebracht wird, motiviert. Das zieht nicht zuletzt immer mehr Interessenten an, die ebenso unkonventionell mit dem Wein umgehen. So auch die neu gewählte Badische Weinprinzessin, Nicole End, die stellvertretend für ihre heimatliche Winzergenossenschaft Gengenbach-Offenburg unmittelbar nach ihrer Krönung der Generation Pinot beigetreten ist. Im Übrigen ist der Zugang zur Generation Pinot auch „Ü-40ern” möglich: Für Fördermitglieder gilt nämlich keine Altersbeschränkung.