Wein und mehr | 11. April 2019

Diesen Greifvögeln entgeht nichts

Von Werner Bussmann
Über Greifvögel in den Weinbergen sollte sich jeder Winzer freuen. Denn sie helfen mit, die Vermehrung von Mäusen und Co. einzudämmen.
Mäusebussard
Typische Taggreifvögel in der Reblandschaft sind der
  • Mäusebussard und der kleinere 
  • Turmfalke.
Der große Mäusebussard hat eine Flügelspannweite bis etwa 1,20 Meter. Das Gefieder zeigt eine sehr unterschiedliche Färbung, von schwarzbraun bis nahezu reinweiß. Sein Flug ist langsam und schwerfällig, daher bevorzug er die Ansitzjagd.
So sitzt er auf hoher Warte, zum Beispiel auf einem Rebpfahl oder in einem Nussbaum an der Badischen Weinstraße, und beobachtet das Gelände. Wird nach langer Ansitzzeit keine Beute gesichtet, kann er es mit einem Suchflug versuchen, wobei er bei günstigem Wind auch mal kurz in Turmfalkenmanier rütteln kann.
Seine Hauptnahrung sind Feldmäuse, von denen er im Jahreslauf weit über 1000 Exemplare vertilgen kann. Aber auch Eidechsen, Regenwürmer, größere Insekten und Aas bereichern seinen Speiseplan.
Der Mäusebussard
Seinen Horst legt der Mäusebussard in hohen Bäumen des Waldrandes oder in Bäumen inmitten der Rebkulturen an. Manchmal beginnt der Horstbau schon im Februar.
Der Bruterfolg hängt primär mit dem Nahrungsangebot zusammen. Gibt es viele Mäuse, werden bis zu drei Jungvögel im Jahr aufgezogen. In Jahren mit wenig Nahrungsangebot brüten viele Mäusebussarde überhaupt nicht.
Wenn es mal einen „echten Winter” gibt, ziehen viele Bussarde aus nördlichen Brutgebieten, als sogenannte „Wintergäste”, vorübergehend in mildere Klimabereiche und so auch in Weinbaugebiete. Mitunter hat man dann den Eindruck, es gebe zu viele Mäusebussarde, dem ist aber nicht so.
Der Turmfalke
Der schlanke, etwa taubengroße Turmfalke ist ein sehr wendiger und schneller Taggreifvogel. Er beherrscht den Rüttelflug wie kein anderer unserer heimischen Vögel. Im Vergleich zum Mäusebussard führt seine Jagdmethode schneller zum Erfolg, dafür ist der Energieeinsatz aber um ein Vielfaches höher.
Seine Nahrung ähnelt der des Mäusebussards, als „Notnahrung” werden auch Kleinvögel gejagt. Wie alle Falken baut er kein eigenes Nest. Die durchschnittlich fünf Eier pro Gelege werden in fremden Baumnestern, in Kirchtürmen oder Felshöhlungen abgelegt.
Turmfalken sind ruffreudig, ein helles „kikiki” ist typisch.
Rotmilan und Steinkauz
Liegen Rebkulturen in der Nähe von Laub- oder Mischwäldern mit Althölzern, ist auch der seltene Rotmilan in den Weinbergen unterwegs. Er ist ein eleganter Flieger und mit seinem tief gegabelten Schwanz im Flug leicht zu bestimmen, deshalb wird er auch Gabelweihe genannt.
Wo sich Rebkulturen mit alten Streuobstwiesen mischen, ist als Seltenheit der Steinkauz anzutreffen. Der kleine rundliche Kauz hat eine alte Kulturgeschichte und wurde schon im alten Griechenland als „Vogel der Weisheit” verehrt. Da es ihm bei uns an natürlichen Baumhöhlen mangelt, werden in alten Obstbaumwiesen schon seit vielen Jahren künstliche Nisthilfen bereitgestellt.
Die Erfolge sind mancherorts leider bescheiden, denn die Ursachen des Bestandesrückgangs sind vielfältig. Er brütet auch in Rebhütten. Seine Hauptnahrung, die er tagsüber und in der Dämmerung erbeutet, besteht überwiegend aus Mäusen und Insekten, besonders Käfern.
Die Schleiereule
Schleiereulen
Wenn am westlichen Himmel die Sonne untergegangen ist und in den Rebkulturen die Dämmerung einsetzt, kommt es bei Vögeln sowie auch bei den Säugetieren zum „Schichtwechsel”. Die Taggreifvögel beenden ihre aktive Phase und die „geheimnisvollen Flugjäger der Nacht” kommen ausgeruht und hungrig aus ihren Tageseinständen.
In ortsnahen Rebgebieten sucht auch die „nächtlichste” aller Eulen und Käuze, nämlich die Schleiereule, nach Nahrung. Und wieder sind es Mäuse, die den Hauptanteil der Beutetiere ausmachen. Sind genügend Kleinsäuger vorhanden, wird vereinzelt eine Zweitbrut flügge.
So konnte ein Schleiereulenpaar in einem „Optimaljahr” im Kirchturm eines Winzerdorfes 13 Jungeulen zum Ausflug bringen (eigene Beobachtung). Wie üblich war auch dieses Brutpaar sehr ortstreu und lebte viele Jahre in monogamer Dauerehe zusammen. Die Schleiereule orientiert sich bei der Ansitzjagd primär akustisch und kann sogar bei völliger Dunkelheit Beute schlagen. Ihr Flug ist fast „lautlos”, so kann das Geräusch eines Beutetieres bis zum Zuschlagen wahrgenommen werden.
Sehr kalte Winter mit viel Schnee dezimieren die Schleiereulen stark, denn bei Nahrungsknappheit sind die wenigen Fettreserven bald verbraucht.
Waldkauz, Uhu und Waldohreule
Waldohreule
Wer mit einem guten Nachtglas oder mit einem speziellen Nachtsichtgerät das „dunkle Treiben” in einem Weinberg beobachtet, der kann auch mal eine Waldohreule oder einen Waldkauz beobachten. Ein absoluter Höhepunkt kommt dann, wenn der große Uhu, der „König der Nacht”, gesichtet wird. Mit einer Flügelspannweite bis 1,80 Meter, einem Gewicht über drei Kilogramm (etwa 15-mal schwerer als der Steinkauz) und einer Körpergröße bis 70 cm ist er allen vorgenannten Vögeln deutlich überlegen. Sie kommen alle auch als Beutetiere in Frage.
Seit etwa der Jahrtausendwende haben die Uhubestände auch im Bereich des Weinbaugebietes Baden wieder zugenommen. In den Weinbaubereichen Kaiserstuhl, Tuniberg und Markgräflerland konnten in den Jahren 2010 bis 2014 erfreulicherweise acht Brutreviere registriert werden.
Sehvermögen
Junger Uhu
Das Sehvermögen der Greifvögel ist dem des menschlichen Auges weit überlegen. Um eine Maus in einer steilen Böschung aus 20 Metern Entfernung zu sehen, benötigen wir ein sehr gutes Markenfernglas und eine relativ lange Suchzeit. Ein Mäusebussard ist da viel schneller. Sein scharfes Auge kann bei Sonneneinstrahlung reflektierende UV-Strahlen des Mäuse-Urins als „Blinksignal” wahrnehmen und dann das weitere Geschehen in diesem Blickfeld beobachten.
Zur Nachahmung empfohlen: Manche Winzer stellen in Reben, wo natürliche Sitzwarten fehlen, etwa drei bis vier Meter hohe Ansitzstangen (T-Form) auf. So haben Taggreifvögel, und auch die nachtaktiven Eulen und Käuze, eine verbesserte Möglichkeit, ihre Beute zu erkennen beziehungsweise zu orten. Besonders in harten Wintern ist dies von Vorteil, denn von den etwa zwei Meter hohen Rebpfählen ist das Beobachtungsfeld kleiner und somit der Jagderfolg geringer.
 
Literatur: Naturschutz am südlichen Oberrhein, Band 8, Heft 1, Juni 2015, Hrsg.: Fachschaft für Ornithologie Südlicher Oberrhein; Neumann, Dirk (SWR), 29.7.2015