Weinbauverband | 31. März 2022

Gut leben im Garten Deutschlands

Von Susanne Wagner-Köppel
Die Themen Pflanzenschutz, Nachhaltigkeit und Reform der EU-Agrarpolitik waren Kernpunkte der Fachvorträge bei der digital abgehaltenen Mitgliederversammlung des Badischen Weinbauverbandes. Ebenfalls im Fokus stand der Tätigkeitsbericht von Geschäftsführer Holger Klein.
Präsident Rainer Zeller (links) und Geschäftsführer Holger Klein führten durch die Mitgliederversammlung.
Der Beruf des Winzers soll auch in Zukunft interessant und attraktiv bleiben, stimmte Präsident Rainer Zeller die über 100 Teilnehmenden auf Veränderung und Herausforderung im Weinberg ein. „Wir haben nichts gegen faire Löhne, aber man sollte schon unterscheiden zwischen Großschlächterei und kleinem Winzerbetrieb”, so Zellers Forderung an die Politik. Auch bedürfe es praktikabler Alternativen für Glyphosat. Gerade in Steillagen müsse es möglich sein, auch in Zukunft betriebswirtschaftlich zu arbeiten. Insbesondere deshalb, weil der Klimawandel die Winzer vor  Herausforderungen stelle und eine Umstellung auf neue, pilzwiderstandsfähige Sorten nicht von heute auf morgen zu schaffen sei.
„Mehr Artenschutz und Biodiversität erhöhen den Druck auf die Landwirte”, beschrieb  der Stuttgarter Weinbauminister Peter Hauk in seinem Grußwort die aktuelle Situation. Es sei daher ein ehrgeiziges Ziel, bis 2030 rund 40 Prozent weniger chemische Pflanzenschutzmittel einsetzen zu müssen. Außerdem sollen nach Ansicht der politisch Verantwortlichen die ökologisch bewirtschafteten Flächen ausgedehnt werden.
Dafür habe das Land seinen Aktionsplan „Bio aus Baden-Württemberg” fortgeschrieben.  Dazu gehöre auch das Qualitätszeichen Baden-Württemberg. Beide Instrumente sollen  die Vermarktung regionaler Produkte unterstützen.  
Flankierend zu den Vermarktungsinitiativen arbeite das Staatliche Weinbauinstitut in Freiburg an ökologischen Lösungsansätzen und Forschungsprojekten zur Nachhaltigkeit im Weinbau und zu Vermarktungsstrategien von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten.
Hauk hob darauf ab, dass das Sonderinvestitionsprogramm des Bundes durch ein landeseigenes Programm ergänzt werde, so dass auch kleinere Investitionen bezuschusst werden können: „An der Technik soll es nicht scheitern. Wir wollen auch die kleineren Betriebe erhalten.” Präsident Rainer Zeller dankte Hauk  für seine Zusagen und explizit für den Zuschuss zur Frost- und Hagelversicherung. Das schaffe für Winzer finanziellen Ausgleich und mindere witterungsbedingte Risiken.
Konstante Mitgliederzahlen
In seinem Tätigkeitsbericht für das Jahr 2021 blickte Geschäftsführer Holger Klein auf einen gut aufgestellten Verband zurück. Die Mitgliederzahlen beim Badischen Weinbauverband sind mit 456 Mitgliedern und rund 15 000 Einzelmitgliedern weitgehend konstant geblieben. Demnach vertritt der Verband 358 Weingüter und 75 Winzergenossenschaften sowie weitere fördernde Mitglieder.
Klein berichtete von den Arbeitskreisen, die sich in den Bereichen Markt, Keller und Weinbau unter anderem mit der Abgrenzung g.U. Baden und den Sorten-Profilierungen beschäftigen. Ebenso wurde in den Gremien die Neuausrichtung der Qualitätsweinprüfungen diskutiert. Diese sowie die Prämierung schilderte Klein als wichtigen Baustein der Verbandstätigkeit und nannte in diesem Zusammenhang einige Zahlen der zurückliegenden Prämierungskampagne. 2047 Weine und 124 Sekte haben 2021 ein Gütezeichen erhalten, 1621 Weine wurden prämiert, bei den Sekten waren es 76. Dahinter stehen 5,4 Millionen Flaschen, die eine Prämierungsauszeichnung des Verbandes tragen.
Marke gemeinsam leben
Auch um den Entwicklungsstand bei der neuen Dachmarke „Baden – Der Garten Deutschlands” ging es. Demnächst startet die Kampagne der Badischer Wein GmbH, hier ein Motiv.
Im Hinblick auf das weinbaupolitische Engagement des Verbandes nannte Klein auf Landesebene die Anträge und Ausnahmegenehmigungen zum Einsatz von Herbiziden in Wasserschutz- und Heilquellengebieten. Oberstes Ziel bleibe es jedoch, dass neue Mittel und Technologien zur nachhaltigen Produktion entwickelt und den Winzern zur Verfügung gestellt würden. 
Als weiteres Ziel der Verbandstätigkeit möchte Klein die verbandsinterne Kommunikation verbessern. Dazu soll eine eigene Kommunikationsplattform mit dem Arbeitstitel „Baden-App” etabliert werden. Mit dieser möchte der Verband noch näher bei seinen Mitgliedern sein, insbesondere bei den Winzerinnen und Winzern, die indirekt über ihre Genossenschaften Mitglied im Verband sind.
 Zum Abschluss schilderte Klein  den Entwicklungsstand der neuen Dachmarke „Baden – Der Garten Deutschlands”. Demnächst starte die Kampagne der Badischer Wein GmbH. Der Verband selbst möchte rund um die Marke ein Netzwerk bilden, das Tourismus, Hotellerie, Gastronomie bündelt. „Wir werden diese Marke gemeinsam leben, damit wir in Zukunft alle gut leben können im Garten Deutschlands”, so Kleins Fazit.
In guter Tradition der Mitgliederversammlung hatten sich Vertreter der Landtagsfraktionen für Grußworte zugeschaltet. Den Anfang machte Professor Dr. Erik Schweickert (FDP), der einen gewissen Nachholbedarf in der Unterstützung des Weinbaus durch die Landesregierung anmahnte. Auch auf bundespolitischer Ebene sollte sich das Land mehr zu Wort melden. 
Wiederzulassung von Kaliumphosphonat
Hans-Peter Storz (SPD) merkte an, dass der Einsatz von Maschinen im Weinberg unabdingbar sei. Früher habe es in den Steillagen die uneingeschränkte Familienunterstützung gegeben, heute bräuchten die Winzer Fördermittel für die Steil- und Hanglagen.  
Reinhold Pix von den Grünen betonte, dass schon heute in Naturschutzgebieten weniger Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. „Die Winzer tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, seltene Habitate zu erhalten”, sagte Pix. Seinen Berufskollegen im ökologischen Weinbau machte Pix Hoffnung darauf, dass die Wiederzulassung des dringend benötigten Kaliumphosphonats erreicht werden könnte. Er habe das Thema bei Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir adressiert.
Grünste GAP aller Zeiten
Die  Entwicklungen der EU-Weinbaupolitik schilderten Miriam Berner, Referentin für Weinbau, Kellerwirtschaft, Ausbildung/Forschung, Markt, sowie Rechtsanwalt Matthias Dempfle, Referent Weinrecht, vom Deutschen Weinbauverband (DWV). Berner berichtete von der „grünsten” Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) aller Zeiten. Wer auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet, darf mit bis zu 130 Euro pro Hektar an Zuschuss rechnen. Auch ging es um die bezeichnungsrechtliche Einordnung von entalkoholisierten und teilweise entalkoholisierten Weinen sowie um die Umsetzung der Nährwert- und Zutatenliste auf dem Etikett. Diese könnten per QR-Code hinterlegt werden. Der Brennwert jedoch müsse aufs Etikett, so Berner.  
Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU schilderte sie als ein sehr komplexes politisches Instrument. Berner sprach von einem „Förderwirrwarr”. Bei der Antragstellung wollen die Verbände die Winzerinnen und Winzer unterstützen, versicherte auch Holger Klein.
Matthias Dempfle berichtete, dass die Pflanzrechteregelung bis 2045 erhalten bleibt. Genehmigungen von Wiederbepflanzung gelten für sechs Jahre ab dem Zeitpunkt, zu dem sie erteilt wurden. Ein weiteres Thema waren die drohenden Warnhinweise auf Weinetiketten und Werbeverbote für Wein. Diese drastische Beurteilung habe man abwenden können. Auch indem sich die Branche selbst für Prävention, Aufklärung und moderaten Weinkonsum stark mache. Er erwartet, dass ein Hinweis auf den „verantwortungsvollen Umgang mit Wein” auf dem Etikett kommen wird.
„Da kommt ganz schön was auf uns zu”, brachte es Vizepräsident Thomas Walz in seinen Schlussworten auf den Punkt. Um den Herausforderungen begegnen zu können, brauche es Zusammenhalt und kein Kirchturmdenken. „Wenn die Branche sich einig ist und am gleichen Strang zieht, werden wir den Garten Deutschlands gut bestellen”, zeigte sich Walz überzeugt. 
Online nachhören
Alle Beiträge der Mitgliederversammlung sind auf dem YouTube-Kanal des Badischen Weinbauverbandes abrufbar. Direkt dazu gelangen Sie hier.