Weinbauverband | 02. Oktober 2020

Es wird ein fruchtiger Jahrgang

Von Petra Littner
Mit dem traditionellen Herbstpressegespräch gab der Badische Weinbauverband am 3. September den offiziellen Startschuss für die Weinlese. Rückblick und Vorschau standen im Mittelpunkt des Pressetermins im Kaiserstuhl.
Präsidiumsmitglied Martin Linser, Verbands-Geschäftsführer Peter Wohlfarth und Vogtsburgs Bürgermeister Benjamin Bohn folgten gespannt den Ausführungen, die Landwirtschaftsminister Peter Hauk zum Thema Weinbau vortrug (von links).
Besser ging’s nicht: Die Sonne schien, der Himmel war blau und die Gäste bester Laune, als der neue Präsident des Badischen Weinbauverbands, Rainer Zeller, eine stattliche Zahl an Medienvertretern zum Herbstpressegespräch auf der Mondhalde, einem der bekanntesten Aussichtspunkte im Kaiserstuhl, begrüßte. Auch die Erwartungen an die damit eröffnete Weinlese stellten die Verantwortlichen ausgesprochen positiv dar: „Sauberes, gesundes Lesegut wird uns eine Top-Qualität bescheren”, prophezeite Zeller.  
 Diese wiederum schätzte Peter Wohlfarth, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbands, auf durchschnittlich 75-80 Hektoliter je Hektar und damit deutlich weniger als 2018 (97 hl/ha). Mit ausgeprägten Aromen und milder Säure würden die Weine jedoch den Präferenzen der Konsumenten entsprechen, so Wohlfarth.
Um die offensichtlich gestiegene Wertschätzung für regionale Produkte zu befeuern, wurde im vergangenen April die Imagekampagne „Wir versorgen unser Land” mit authentischen Charakterköpfen, darunter Präsidiumsmitglied Martin Linser, gestartet (Bericht im Badischen Winzer, Ausgabe August 2020).
Ziel: bessere Erlöse
Woran man noch arbeiten müsse, seien die Erlöse. „Bei einer  guten Flasche badischem Wein darf bei zehn Euro nicht Schluss sein!”, bekräftigte Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Er ermutigte dazu, Nischen im Hochpreissegment selbstbewusst zu besetzen. Den Fokus verstärkt auf die Produktqualität zu legen, hält Hauk auch im Hinblick auf die bevorstehende Novellierung des Weingesetzes für wichtig. In puncto Umweltschutz sei der Weinbau anderen Kulturen weit voraus: „Seit über 30 Jahren werden die Reben umweltschonend  nahezu insektizidfrei bewirtschaftet,  Pheromonfallen eingesetzt und Prognosesysteme genutzt.”
Dennoch sei es erklärtes Ziel, Pflanzenschutzmittel weiter deutlich zu reduzieren. Dies erreiche man aber nicht über Verbots- und Verzichtsstrategien, betonte Hauk. Vielmehr sieht Hauk diese Entscheidung in der Verantwortung des Winzers. Aufgabe des Landes sei, die Entwicklung von Technologien und Innovationen im Interesse des Weinbaus zu fördern.
Der erweiterte Entwurf sei auch von den Initiatoren des Volksbegehrens „Rettet die Bienen” akzeptiert worden. Zuvor hätten Landwirte und Winzer monatelang um ihre Existenz gebangt, erklärte Bürgermeister Benjamin Bohn mit dem Hinweis auf die besondere wirtschaftliche und touristische Bedeutung des Weinbaus am Kaiserstuhl.  
Flurneuordnung fördernVon der Mondhalde aus wies Bohn Richtung Burkheim, wo zuletzt im Nonnental eine Flurneuordnung erfolgreich abgeschlossen werden konnte. „Die nächste Maßnahme ist bei Oberrotweil  bereits in Vorbereitung und wir bitten um Unterstützung”, wandte sich der Bürgermeister an Hauk. Dazu äußerte er ein Anliegen: Im Zuge der Verfahren würden Bewässerungssysteme gefördert. Bohn appellierte an den Minister, die Installation auch bei bestehenden Rebanlagen zu unterstützen: „Es ist eine existenzielle Fragestellung zur Zukunft des Weinbaus.”
Den Klimawandel im Blick
Wetterextreme, anhaltende Trockenheit, vorzeitiger Vegetationsstart und frühe Traubenreife  schreiben die Verbandsverantwortlichen vor allem dem Klimawandel zu.
Außerdem führen Frost, Sturm und Starkregen zu Ernteeinbußen. Peter Hauk zeigte sich zufrieden, dass das Modellprojekt der Mehrgefahrenversicherung durchgesetzt werden konnte, bei der Winzer und Obstbauern selbst entscheiden, was und in welchem Umfang sie versichern.
Die Versicherungsprämien zu witterungsbedingten Risiken werden vom Land Baden-Württemberg zu 50 Prozent gefördert. „Der Klimawandel ist durch die Gesellschaft verursacht, deshalb ist sie nun auch in der Verantwortung”, erklärte Hauk.
Der Minister blickte nicht zuletzt auf die Corona-bedingten Einschränkungen, die bereits im Frühjahr die Ernte in den Sonderkulturen erschwert und in Folge auch die Märkte stark beeinflusst hatten. Die Gastronomie habe sich über die Sommermonate ein wenig erholt, der Einbruch im Weinabsatz während des Lockdowns sei jedoch kaum nachzuholen. Virtuelle Weinproben nannte er als ein Beispiel für viele originelle Ideen, an denen sich unter anderem die Badische Weinkönigin, Sina Erdrich, beteiligte. Die Hoheit war beim Pressegespräch sichtlich erfreut, wieder Termine wahrnehmen zu können, und überzeugte sich gleich auch in den angrenzenden Reben vom Geschmack der reifen Müller-Thurgau-Trauben.
Anschauliche Kostproben
Im Anschluss stellte Kellermeister Leopold Laible vom Winzerverein Oberrotweil Kostproben  des Jahrgangs 2019 vor. Als größter Genossenschaftsbetrieb am Kaiserstuhl kooperiert dieser erfolgreich mit der WG Jechtingen-Amoltern, die ebenfalls von Geschäftsführer Roland Leininger geleitet wird. „Die Qualität ist letztlich entscheidend. Bei den Preisen gibt es allerdings am Markt gewisse Grenzen”, erläuterte Leininger seine Sicht auf die Marktsituation. In den Wochen bis zum Erscheinen dieser Ausgabe des „Badischen Winzers” wurde die Weinlese in Baden weitgehend abgeschlossen.
Korrektur der Erntemenge-Erwartung
Am 18. September, etwa gegen Ende der Burgunderlese, teilte der Weinbauverband eine Korrektur der zu erwartenden Erntemenge mit. Zu dem Zeitpunkt war bereits absehbar,  dass die Erträge deutlich geringer ausfallen könnten, als noch zum Zeitpunkt des Pressegesprächs am 3. Septmeber gedacht. „Nachdem wir noch zu Lesebeginn Anfang September von einem durchschnittlichen Ertrag zwischen 80 und 85 Hektoliter je Hektar ausgegangen waren, mussten wir die Ernteerwartungen mittlerweile deutlich nach unten korrigieren”, informiert Peter Wohlfarth, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes.
Grund hierfür sei das anhaltend gute Wetter mit hochsommerlichen Temperaturen, die für diese Jahreszeit außergewöhnlich sind. Die Wärme und die Tatsache, dass während der gesamten Weinlese kaum oder gar keine Niederschläge zu verzeichnen waren, hätten die Konzentration des Saftes in den Beeren begünstigt und somit zu mengenmäßigen Rückgängen bei gleichzeitigen qualitativen Steigerungen geführt. „Ohne ein voreiliges Urteil abgeben zu wollen, kann man festhalten, dass insbesondere die Burgundersorten wohl deutlich unter dem langjährigen Ertragsdurchschnitt liegen werden”, so Wohlfarth weiter.
Mit den Qualitäten des Jahrgangs 2020 zeigten sich die Winzer in Baden indes sehr zufrieden. Das Lesegut sei Dank der günstigen Witterungsverhältnisse während der Vegetationsperiode außergewöhnlich gesund und gut ausgereift. Die Konsumenten dürften sich also auf ausgezeichnete Weine mit ausgesprägten Aromen freuen – einzig die Menge trübe das ansonsten positive Bild.
Der Verband weist darauf hin, dass verbindliche Angaben zur Erntemenge des Jahrgangs 2020 erst nach Beendigung der Weinlese in allen neun Weinbaubereichen des Anbaugebietes kommuniziert werden können. Holger Klein, WBV