Nachrichten | 02. October 2019

Ein Jahrgang, wie man ihn sich wünscht

Von René Bossert
Durchschnittliche Menge bei sehr guter Qualität: So brachte der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) bei seiner Erntepressekonferenz in Bühl die Erwartungen für den Jahrgang 2019 auf den Punkt.
Der Affentaler Geschäftsführer Dr. Ralf Schäfer (links) und BWGV-Präsident Dr. Roman Glaser informierten über die Ernteerwartungen für Baden.
Bei idealen Witterungsbedingungen zum Start der Hauptlese zeigte sich Verbandspräsident Dr. Roman Glaser am 19. September in den Räumen der Affentaler Winzer eG vor den Journalisten mit Blick auf den neuen Jahrgang sehr zufrieden: „Die badischen Winzergenossenschaften werden lieferfähig sein.” Die Erntemenge für die 72 badischen Genossenschaften erwartet der Verband bei gut 85 Millionen Litern, der Flächenertrag soll im Durchschnitt bei knapp 85 Hektolitern pro Hektar liegen.

Oechslegrade haben aufgeholt
Das wären 16 % weniger als im üppigen Vorjahr und damit für Baden eine Normalernte. Schäden durch Sonnenbrand in ganz Baden sowie Hagelschäden im Markgräflerland sind kleine Wermutstropfen.  Die Oechslegrade lagen  zuletzt bei 94 bis 96 bei den wei-
ßen Burgundersorten, 92 Grad beim Spätburgunder und 83 Grad beim   Müller-Thurgau. Die Säuregehalte passen ebenfalls, die Trauben seien gesund und die kühlen Nächte sorgten für eine schöne Aromenausprägung, sagte BWGV-Weinberaterin Ute Bader.

Kleines Plus bei Absatz und Umsatz
Bei der gastgebenden Affentaler Winzer eG dürften die 80 Hektoliter pro Hektar nicht ganz erreicht werden, erwartet Geschäftsführer Dr. Ralf Schäfer. Das sei für die vorherrschenden relativ kargen Granitverwitterungsböden eine normale Erntemenge.
Die Absatz- und Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr zeigt Glaser zufolge jeweils ein kleines Plus im Vergleich zum Vorjahr: Der Absatz legte um 1,8 % auf 43,7 Millionen Liter Wein und Sekt zu. Umgesetzt wurden 127,8 Millionen Euro, das ist ein Plus von 0,5 %. Für 2018 steht ein Absatzplus von 1,7% auf  87,2 Millionen Liter zu Buche.  Der Umsatz sank allerdings um 2,6 % auf 261,9 Millionen Euro. Die größere Menge habe auf die Preise gedrückt, erklärte Glaser. Der schnelle Strukturwandel halte an, 2018 waren es  noch 12622 Betriebe in Baden. Die genossenschaftliche Rebfläche sank um 16 Hektar auf 10228 Hektar, das sind rund 70 % der Gesamtfläche.  2018 gab es eine Fusion (Affentaler Winzer eG und Baden-Badener WG), für  2019 sind  drei  zu vermelden: Oberkircher Winzer und WG Hex vom Dasenstein, WG Mühlhausen und WG Kraichgau und Winzerverein Oberrotweil und WG Jechtingen-Amoltern. Von den 72 badischen Genossenschaften  mit ihren insgesamt 940 Beschäftigten bauen 32 ihre Weine selbst aus. Der Klimawandel sorge dafür, dass die Weinbranche  beim Thema Witterungsextreme und Alkoholmanagement nach und nach dazulerne, sagte Ute Bader. Während man im Jahr 2003 noch ins kalte Wasser geworfen worden sei, seien im heißen und trockenen Jahr 2018 exzellente Rotweine entstanden.

Ohne Alkohol
Auch am Thema alkoholarme beziehungsweise alkoholfreie Weine arbeite die Weinwirtschaft in Baden-Württemberg. Seit Beginn des Jahres läuft ein Forschungsprojekt zu diesem Thema, das mit über 700000 Euro gefördert wird. An ihm sind 36 Unternehmen der Weinbranche beteiligt, wissenschaftlicher Partner ist die Duale Hochschule in Heilbronn.  Im Rahmen des Programms sollen auch Marketingfragen intensiv bearbeitet werden.
 
Affentaler Winzer eG: Viel Riesling und viele Hobbywinzer
Die Fusion zwischen der Affentaler Winzer eG und der Baden-Badener Winzergenossenschaft im vergangenen Jahr sei erfolgreich vollzogen worden, berichtete Geschäftsführer Dr. Ralf Schäfer. 115 Hektar Rebfläche kamen aus Baden-Baden dazu, nun verfügt die WG über knapp 370 Hektar Rebfläche.  2018/19 lag der Umsatz bei rund 9,5 Millionen Euro. Von den rund 700 Mitgliedern mit Rebfläche wird rund ein Drittel der Fläche von einer Handvoll Vollerwerbswinzer, ein weiteres Drittel von kleineren Betrieben bewirtschaftet. Das letzte Drittel der Flächen entfällt auf weit über 600 Hobbywinzer mit teils sehr kleinen Flächen. „Das bringt uns eine hohe Schlagkraft bei der Handlese”, sagte Schäfer und berichtete über ein gutes Miteinander trotz der speziellen Mitgliederstruktur. Es sei kein Problem, genügend Mitglieder für die genossenschaftlichen Gremien zu finden. Riesling liegt mit 40 % Rebflächenanteil vorne, dahinter folgt der Spätburgunder mit 35 %. Mit rund 140 Hektar Rieslingfläche sind die Affentaler die Nummer eins in Baden. Der Grauburgunder gewinnt im Rebsortenspiegel an Bedeutung. Auch Merlot, Lagrein und Sauvignon blanc stehen im Anbau.
Auch was die Flaschenformen angeht, bietet die 1908 gegründete WG Besonderes: Sie vermarktet einen Teil der Weine in der  Affenflasche – seit über 70 Jahren – und im  Bocksbeutel. Die Affenflasche sorge für eine hohe Markenbekanntheit  und sei auch im Export wichtig, der übrigens einen Anteil zwischen 5 und 10 % des Umsatzes ausmacht. China, USA und Russland sind  wichtige Länder.
Die Baden-Badener Weine werden nach wie vor eigenständig ausgebaut und über das Baden-Badener Weinhaus am Mauerberg vermarktet. Positiv sei, dass sich die Stadt Baden-Baden mehr und mehr zum regionalen Weinbau bekenne. Ab diesem Jahr wird die Traubenanlieferung weitestgehend in Bühl fortgeführt, so dass die Rationalisierungspotenziale der Fusion zum Geschäftsjahr 2019/20 realisiert werden können. Für die Vermarktung seien neben der Mitgliedschaft bei Weinland Baden  die beiden Vinotheken ein wichtiges Element: Das Thema „Wein erleben” gewinne an Bedeutung, stellte Geschäftsführer Schäfer fest.