Nachrichten | 09. November 2020

Viele Gäste lassen sich gerne beraten

Von Walter Eberenz
Axel Maier ist gelernter Restaurantfachmann und Sommelier und Mitinhaber des familiengeführten Schwarzwaldgasthofs Zum Goldenen Adler in Oberried. Wir sprachen mit ihm noch vor der Entscheidung zum Teil-Lockdown im November mit Schließung der Gastronomie.
Bei einem Gespräch mit einem Gastronomen kommt man zu dieser Zeit nicht um Corona herum: Wie sind Sie durch den Lockdown im Frühjahr gekommen und wie war der Sommer?

Axel Maier ist gelernter Restaurantfachmann und Sommelier. Er ist Mitinhaber des familiengeführten Schwarzwaldgasthofs Zum Goldenen Adler in Oberried. Zwei Brüder betreiben ihn mit ihren Familien in fünfter Generation. Der Gasthof ist als Weinsüden-Hotel und als Haus der Baden-Württemberger Weine ausgezeichnet.
Im Lockdown konnten wir mit dem „Essen2go” auch einige Wein-Pakete als „2go” verkaufen. Es war wirklich schön zu erleben, wie die Stammgäste mit uns durch den Lockdown gegangen sind und bei uns Woche für Woche „Essen2go” geholt haben. Gerade dieser Stammkundschaft sind wir für die moralische Unterstützung sehr dankbar!
Die Tische draußen waren in diesem Sommer gefragt. Aufgrund der Abstände hatten wir weniger Tische zur Verfügung und erzielten weniger Umsatz bei Speisen und Getränken.
Schön war, dass mehr Gäste den diesjährigen Urlaub in unserer Region verbracht haben. In der Logis konnten wir ein Umsatzplus erzielen. Eigentlich erwirtschaften wir viel Umsatz mit Feierlichkeiten in unserer Adler-Wein-Scheune. Von Mitte März bis Mitte August wurden jedoch alle Feste abgesagt. Aufgrunddessen ist unser Weinumsatz stark zurückgegangen und da sitzen wir mit manchen Winzern im selben Boot, bei denen aufgrund der ausgefallenen Weinfeste etc. wohl auch ein grosser Umsatzrückgang zu verzeichnen sein dürfte.

Finden Sie die politischen und behördlichen Maßnahmen gegenüber der Gastronomie wegen Corona in Ordnung?

Die Reduktion der Mehrwertsteuer ist für uns überlebenswichtig, und natürlich hilft auch die Kurzarbeiterregelung. Auch die Wochenarbeitszeit sollte erhalten bleiben. Wir hoffen, dass es nicht noch einen längeren Lockdown gibt, weil das viele Betriebe nicht überleben würden.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie in den Herbst und Winter hinein?

Mit den überraschend sehr stark steigenden Corona-Fallzahlen der letzten Tage sehen wir den kommenden Monaten kritisch entgegen.

Ihr Schwarzwaldgasthof Zum Goldenen Adler in Oberried ist Teil der lokalen Geschichte; ihre Familie betreibt ihn in fünfter Generation. Wie wichtig sind Ihnen selbst Tradition und Heimatverbundenheit, und wie zeigt sich das in Ihrem gastronomischen Angebot?

Seit vielen Jahren gehören wir zu den Naturparkwirten des Südschwarzwaldes und betreiben mit Leib und Seele Natur- und Heimatschutz mit Messer und Gabel.
 
Als ausgebildeter Restaurantfachmann und Sommelier sind Sie prädestiniert, Ihren Gästen Ihr Weinangebot näherzubringen. Sie sind zudem als Weinsüden-Hotel und als Haus der Baden-Württemberger Weine ausgezeichnet. Welchen Anteil an Ihrem Weinangebot haben Weine aus dem Land? Präferieren Sie bestimmte Regionen?

Für unseren bodenständigen Schwarzwaldgastof findet sich ein relativ breites Sortiment an Weinen in unserem Keller. Natürlich liegt unser Schwerpunkt mit etwa 80 Prozent auf den badischen Weinen, generell den deutschen Weinanbaugebieten, doch ein kleines Sortiment an ebenfalls guten Tropfen aus der neuen und alten Weinwelt darf trotzdem nicht fehlen.

Wie weinkundig sind Ihre Gäste?   

Man merkt immer mehr, dass auch junge Gäste Spaß am Wein haben und auch dieses Klientel einen immer größeren Wissensstand bei Wein hat. Viele Gäste lassen sich auch gerne von uns beraten, damit sie den richtigen Burgunder aus dem Kaiserstuhl im Glas haben. Die Weiterbildung unseres Teams ist uns sehr wichtig und sie kommt dann den Gästen auch zugute.

Wollen die Gäste eher automatisch Weine von hier oder muss man sie aktiv dahin führen? Müssen Sie gar dann und wann Vorurteile abbauen?

Im Weißweinbereich sind wir so gut wie immer ganz nah in der Heimat. Bei den Rotweinen kommt es schon ab und zu vor, dass die Gäste nach einem Spanier oder Italiener fragen. Unsere angehende IHK-geprüfte Sommelière Michaela ist großer Spätburgunder-Liebhaber und das kommt den heimischen Winzern zugute, da sie deren Weine mit viel Begeisterung den Gästen empfiehlt.

Was macht die heimische Weinbranche aus der Sicht des Gastronomen gut, was kann sie anders oder besser machen?

Die Qualität  der heimischen Weine ist in den letzten Jahren enorm gestiegen –  das ist sehr erfreulich. Man merkt, dass auf Qualität gesetzt wird. Erfreulich finde ich, dass  junge Winzer frischen Wind bringen und die weltweit gemachten Erfahrungen zu Hause ins Weingut einfließen lassen.