Fachliches | 04. Oktober 2018

Kurz gesagt: ein Spitzenjahrgang

Von Walter Eberenz
Ernst Nickel ist Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Wolfenweiler und Vizepräsident des Badischen Weinbauverbandes. Wir sprachen mit ihm über den Super-Jahrgang 2018.
Ernst Nickel ist Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Wolfenweiler und Vizepräsident des Badischen Weinbauverbandes. Er wird zum Ende des Jahres in den Ruhestand gehen.
Welche Auffälligkeiten bietet der Jahrgang gegenüber einem durchschnittlichen Jahr in Menge, Qualität, Lesezeitpunkt und Geschwindigkeit der Lese? Wann haben Sie denn dieses Jahr mit der Lese angefangen und wie weit sind Sie – Stand 25. September?

Die Natur hat das Menge-Güte-Gesetz 2018 teilweise außer Kraft gesetzt. Die Mostgewichte schießen zum Ende der Lese förmlich durch die Decke. Alle Rebsorten erzielen Spitzenwerte.
Die niedrigen Säurewerte machen den Kellermeistern in manchen Sorten Sorgen. Es ist ein Jahrgang, der in die Geschichtsbücher eingehen wird. Interessant war der frühe Lesebeginn unserer Selektionen in den Sorten Grau- und Spätburgunder am 30. und 31. August.
Wir konnten von Anfang der Lese bis heute eine geordnete und problemlose Ernte einbringen. Das spätsommerliche Wetter hat uns dabei sehr geholfen. Die Lese sollte Ende September abgeschlossen sein.
 
Wie ist unter den genannten Vorzeichen die Stimmung unter den Winzern im Hinblick auf den Herbst?

Die Winzer erlebten einen Jahrgang mit frühem Austrieb, früher und rascher Blüte, explosionsartigem Wachstum, zeitintensiver Laubarbeit und einem heißen, trockenen Sommer. Entsprechend verhalten waren die Erwartungen noch im August.
Was die Rebe leisten kann, zeigt das Ernteergebnis 2018. Heute ist die Stimmung eher euphorisch und die Aussage: „Das hätten wir nicht gedacht” ist täglich an der Annahmestation zu hören.

Als Vizepräsident des Badischen Weinbauverbandes haben Sie auch Gesamtbaden im Blick. Wie sieht es da aus mit den Mengen und der Qualität – gibt es bereichsspezifische Besonderheiten und Unterschiede?

Die mir bis heute bekannten Ernteergebnisse sind in Qualität und Quantität in praktisch allen Bereichen Badens identisch. Kurz gesagt: ein Spitzenjahrgang. Die durch die Schutzgemeinschaft Baden beschlossene Erhöhung der Erzeugungs- und Vermarktungsmenge von 90 hl/ha auf 100 hl/ha halte ich der Situation entsprechend für angebracht.

Ist schon einschätzbar, was für den Jahrgang 2018 bei den Weinpreisen drin sein kann?

Nach der frostbedingt kleinen Ernte 2017 waren die Keller in Baden praktisch geräumt, so dass die Ernte 2018 wieder für ein notwendiges Vorratspolster sorgen wird.
Wie der Markt auf die national und international überdurchschnittliche Ernte 2018 reagieren wird, lässt sich aktuell nur schwer einschätzen. Sicherlich besteht wenig Spielraum für Preiserhöhungen.
 
Als langjähriger Fahrensmann in der Badischen Weinwirtschaft steht bei Ihnen zum Jahresende der Ruhestand an. Wagen Sie doch bitte aus Ihrer Erfahrung über Jahrzehnte hinweg in verantwortlichen Positionen einen Blick in die Kristallkugel: Wohin geht es mit dem badischen Weinbau mittel- und langfristig? Was haben die handelnden Personen in der Hand?

In meiner über 30-jährigen Tätigkeit als Geschäftsführer der WG Wolfenweiler habe ich Höhen und Tiefen erlebt. Die strukturellen Veränderungen hin zu größeren Erzeugerbetrieben in Produktion und Vermarktung wird sich fortsetzen und ist aus meiner Sicht auch notwendig, um in der Zukunft am hart umkämpften Weinmarkt zu bestehen. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, benötigen wir ein hohes Maß an Geschlossenheit. Es gilt, die Marke „Baden” wieder in die Spitze er deutschen Anbaugebiete zu führen. Wir benötigen mehr denn je ein Wir-Gefühl nach dem Motto: „Wir sind Baden.”