Fachliches | 12. Dezember 2018

Das gab´s Neues in der Kellerwirtschaft

Von Ute Bader, BWGV
Die Intervitis/Interfructa/Hortitechnica in Stuttgart bot wieder eine gute Möglichkeit zur Orientierung. Welche Neuheiten dort im Bereich Kellereitechnik gezeigt wurden, erläutert der folgende Beitrag. Zudem zeigt er auf, welche kellerwirtschaftlichen Themen im Rahmen des DWV-Kongresses behandelt wurden.
SO2-Membran von Kunzmann und Hartmann
Der erste Weg auf der Suche nach neuen Ansätzen und Lösungen führt zu den Innovationspreisen. Auch im kellerwirtschaftlichen Bereich gab es hier einige bemerkenswerte Produkte.
Ein Innovationspreis in Gold ging an die Firma Kunzmann und Hartmann für das „SO2 Membran System”. Diese Firma stellte bereits in der Vergangenheit ihre Innovationskraft unter Beweis, indem sie vollautomatisierte Systeme zum Alkohol- und Gasmanagement im Wein vorstellte. Die in diesem Jahr präsentierte Anlage entfernt freie SO2 rein physikalisch. Hierbei diffundiert die SO2 durch eine spezielle Membran und setzt sich in einem alkalisierten Wein zu einem Kalisalz um.
Weitere Weininhaltsstoffe sind von der Behandlung nicht betroffen. Die Anlage arbeitet energiesparend in einem produktschonenden Temperaturbereich. Primäre Zielgruppe für diese Anwendung sind Sektkellereien. Darüber hinaus soll die Anlage zur Entfernung von SO2 aus Süßreserve eingesetzt werden.
Oculyze, entwickelt von der Firma Oculyze in Kooperation mit Eaton Technologies
Ein weiterer Innovationspreis in Gold ging an das System „Oculyze” der Firma Oculyze in Kooperation mit Eaton Technologies. Das System bietet eine mikroskopische Kontrolle der Gärung mit App. Der Anwender nimmt hierbei mithilfe einer Kamera mehrere Messungen in einem gärenden Most vor.
Mittels einer App auf dem Androidhandy werden die Daten mithilfe einer Datenbank in der Cloud ausgewertet. Sofort erhält man aktuelle Zellzahlen sowie das Verhältnis von lebenden zu toten Zellen. Das System ist ein wertvolles Instrument zur Gärkontrolle und zur frühzeitigen Erkennung von Gärstörungen. Es verschafft dem Kellermeister den notwendigen Zeitvorsprung zur Einleitung von Maßnahmen zur Reaktivierung der Gärung.
Innovationspreise in Silber
craftLABEL von Vollherbst Druck
Mit Innovationspreisen in Silber wurden die Firmen Scharfenberger und Vollherbst Druck belohnt. Scharfenberger erhielt die Auszeichnung für die Restfeuchtemessung in der Traubenpresse, die eine kontinuierliche Meldung des Pressfortschritts an den Anwender ermöglicht. Mithilfe dieser Messung kann der Pressvorgang optimiert und effizienter gestaltet werden. Die Firma Vollherbst Druck wurde für ihr craftLABEL geehrt. Gründe dafür waren die höhere Qualität der Weinetiketten, in denen beispielsweise Gesteinsmehle verarbeitet werden und die dem Kunden neben einem hochwertigen visuellen auch ein haptisches Erlebnis bieten.
Im Zeichen der Digitalisierung
Gezeigt wurde auch ein breites Spektrum von Einsatzmöglichkeiten smarter Verpackungen – hier 2D/3D-Effekt...
Die Messe und vor allem der Internationale DWV-Kongress 2018 standen ganz im Zeichen der Digitalisierung. Gerade der Kongresstag gab spannende und zukunftsweisende Einblicke, was Digitalisierung kann und wo auf der anderen Seite noch Fallstricke und Hemmnisse vorhanden sind. Alle Redner des Eröffnungsplenums bemängelten, dass digitale Lösungen bisher selten einen ganzheitlichen Ansatz haben, sondern eher punktuell eingesetzt werden, was den Mehrwert für den Landwirt einschränkt.
Im Anschluss an das Eröffnungsplenum wurden sogenannte Sessions zu drei Themenfeldern angeboten: Anbau- und Erntetechnik, Organisation und Vermarktung sowie Kellerwirtschaft. Im Rahmen der kellerwirtschaftlichen Sessions konnten intensive Einblicke in die Einsatzmöglichkeiten der Digitalisierung in der Oenologie gewonnen werden.
Die Sessions beschäftigten sich mit den Themen: Qualitätserfassung – analytisch und optisch, innovative Prozesstechnik dank Digitalisierung, Smarte Verpackung, Fermentation – Kontrolle und Regulation sowie Ressourceneinsparung. Die Sessions führten zu einem konstruktiven und konzentrierten Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Im Bereich der Qualitätserfassung wurden FTNIR und Impedanzmessung als analytische Verfahren vorgestellt. Zudem war ein Praxisbericht zum Einsatz von optischen Sortieranlagen zu hören. 
In der Diskussion kam klar zum Ausdruck, dass Qualitätserfassung und -sortierung von hoher Relevanz sind. Dennoch wurde der Wunsch nach Instrumenten, die bereits vor der Lese eingesetzt werden können, geäußert. Zudem wurde die Definition von Parametern zur Einstufung der Qualität als zentrale Herausforderung angesehen.
Die zweite Session beschäftigte sich mit innovativer Prozessanalytik dank der Digitalisierung. Es wurden webbasierte Anwendungen vorgestellt, mit denen Analysedaten zusammengeführt und mittels Algorithmen automatisch ausgewertet werden. Der Mehrwert für den Anwender ergibt sich daraus, dass die Ergebnisse direkt und im Vergleich zu Daten aus einer Datenbank beurteilt werden. So können Fehlentwicklungen detektiert und angepasst beziehungsweise Optimierungen umgesetzt werden. Außerdem stehen Simulationsmodelle zum Beispiel für Gärverläufe zur Verfügung.
...oder hier augmented reality.
Eine weitere Session befasste sich mit Kontrolle und Regulation von Gärung. Hier wurden Anwendungen zur Ermittlung des Stickstoffbedarfs und der Hefevitalität vorgestellt.
Parallel dazu wurde das Modul zur Ressourceneinsparung in der Kellerwirtschaft mittels Digitalisierung angeboten. Hierbei werden zuerst Verbrauchswerte in der Kellerwirtschaft erfasst. Durch Auswertung der Daten werden Modelle zu Optimierungen erstellt. Weiterhin fand die Session Smarte Verpackung statt, die sich mit Möglichkeiten zur Nachverfolgung, zu Sicherungssystemen in Bezug auf Markenschutz aber auch auf Transporteinflüsse sowie mit digitaler Konsumenteninformation wie beispielsweise augmented reality beschäftigte. Hier wurde ein breites Spektrum von Einsatzmöglichkeiten smarter Verpackungen aufgezeigt.
Was es sonst noch zu sehen gab
Der obligatorische Gang über die Messe zeigte ein paar weitere oenologische Innovationen. Die spannenden Neuentwicklungen waren allerdings deutlich seltener zu finden als bei der letzten und vor allem davor liegenden Messen.
Die Lieferanten oenologischer Produkte zeigten mikrobiologische Lösungen zum Alkohol- und Säuremanagement auf. Gerade der Aspekt Säure scheint hier ein spannender und zielführender Ansatz zu sein. Zu sehen war zudem eine sehr kompakte und produktschonende Pumpe mit hohen Leistungsgraden, die Vorteile in hygienischen Aspekten bietet. Weitere Innovationen, die teilweise bereits bei der letzten Messe zu sehen waren, beschäftigten sich mit Weinlagerung und Rotweinbereitung.