Nachrichten | 10. Juni 2021

Kellerausbau mit Überraschungen

Von Gerold Zink
Das Weingut Freiherr von Gleichenstein baut derzeit seinen Weißweinkeller aus. Das Fassungsvermögen soll um 140.000Liter erhöht werden. Bei den Arbeiten kamen alte Weinflaschen und eine Flaschenpost von 1974 ans Tageslicht.
Alte Weine und eine Flaschenpost wurden bei Bauarbeiten entdeckt.
Das Weingut von Gleichenstein bewirtschaftet rund 45 Hektar Weinberge auf den Gemarkungen Oberrotweil, Bickensohl und Ihringen. Die Jahresproduktion liegt bei rund 250.000 Flaschen. Mit der Zeit ist der Weißweinkeller, in dem rund 300.000 Liter Platz haben, zu klein geworden.
„Wir waren bislang gezwungen, zur neuen Ernte im Herbst alle Weißweine zu füllen. Wir wollen aber auch Gutsweine länger im Fass liegen lassen und auch nicht unter Zeitdruck stehen”, sagt Johannes von Gleichenstein. Deshalb hat er sich zusammen mit seiner Frau Christina entschlossen, das Fassungsvermögen des Weißweinkellers um 140.000 auf insgesamt 440.000 Liter zu erhöhen. „So können wir auch den höherwertigen Weinen mehr Zeit geben, im Edelstahltank zu reifen.” 
In dem neuen Kellerraum würden dann auch größere Tanks mit 26.000 und 16.000 Liter aufgestellt. Das erweiterte Fassungsvermögen des Weißweinkellers sei für die nächsten Jahre ausreichend.
Historische Bausubstanz
Dass die Bauarbeiten aufgrund der historischen Bausubstanz nicht ganz einfach werden würden, war den Verantwortlichen von vornherein klar. Das herausfordernde Projekt, für das die alte Kellerdecke entfernt werden musste, sorgte sodann gar für eine Überraschung: 36 Weinflaschen der Jahrgänge 1970, 1971 und 1972 der Sorten Riesling, Weißherbst und Silvaner kamen zum Vorschein. „Sie wurden wohl versteckt, als damals ein Gang zwischen zwei Kellerräumen gebaut wurde”, vermutet der Winzer. Neben 80 Prozent Lösserde kamen auch zwei alte Betonsilos zum Vorschein, in denen früher wohl Getreide gelagert wurde.
Besonders groß war das Erstaunen über eine Flaschenpost aus dem Jahr 1974, als noch der Vater von Johannes von Gleichenstein das Weingut führte. Auf dem Zettel stand: „Der Wein wurde beim Erbauen des Tunnels am 14. Februar 1974 eingegraben. Sollte der Wein gefunden werden, so bitten die Erbauer um Nachricht.” Wenn die Kellererweiterung Mitte Juni fertig ist, will der Winzer zwei der alten Tropfen öffnen.
Neuer Kellermeister
Investiert hat das Weingut insgesamt rund 250.000 Euro. Der neue Raum ist rund 100 Quadratmeter groß und bietet der Kellermannschaft jetzt auch kürzere Wege. Beim Kellerteam hat es übrigens zum 1. April einen Wechsel gegeben: Der erste Kellermeister Odin Bauer (54), der 22 Jahre bei Gleichenstein arbeitete, wollte sich noch einmal verändern und hat das Weingut verlassen. Sein Nachfolger ist Johannes Köster, der nach der Ausbildung beim Badischen Winzerkeller, der Meisterschule und Tätigkeiten im Weingut Franz Xaver in Buchholz und bei der WG Königschaffhausen-Kiechlinsbergen seit April in Gleichensteins Keller verantwortlich zeichnet. Jeder Wein solle Spaß und Lust auf das nächste Glas machen. Bei den Gutsweinen des Jahrgangs 2020 hofft er, dass seine Handschrift schon zu erkennen sein wird. Unterstützt wird Köster im Keller von Küfer Andreas Treffeisen.