Weinbauverband | 31. Mai 2024

Bereit für eine nachhaltige Zukunft?

Von der Redaktion
Unter dem Titel „Transformationen im baden-württembergischen Weinbau: Klimawandel, Digitalisierung und Nachhaltigkeit” erarbeitet ein Projektteam der Hochschule Heilbronn die erste frei zugängliche digitale Nachhaltigkeitsmanagement-Plattform für die deutsche Weinwirtschaft.
Seit Januar 2023 entwickelt ein Verbund aus Forschern der Hochschule Heilbronn (HHN) und des Deutschen Instituts für Nachhaltige Entwicklung (DINE e.V.) gemeinsam mit Praktikern aus Weinbaubetrieben und Winzergenossenschaften sowie Vertretern der Weinbauverbände aus Baden und Württemberg und dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband für die deutsche Weinbranche Lösungen zum Thema Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsbewertung. Die im Rahmen des EIP-Agri-Projektes „Transformationen im baden-württembergischen Weinbau: Klimawandel, Digitalisierung und Nachhaltigkeit” – kurz: KliDiNa – stattfindenden Entwicklungen fokussieren dabei auf das Thema Digitalisierung. Nachhaltigkeit wird auch in der Weinwirtschaft immer wichtiger. Während einzelne Wein-baubetriebe bereits seit vielen Jahren stetig an umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen arbeiten, gilt es, andere noch für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise zu sensibilisieren und hierbei konkrete Optimierungspotenziale aufzuzeigen. Das DINE hat sich bereits vor rund 15 Jahren die Forschung und Bildung im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens in der Weinwirtschaft zur Aufgabe gemacht. Nachhaltige Entwicklung wird dabei umfassend verstanden: Sie bedeutet gutes Leben und erfolgreiches Wirtschaften zugleich – sozial gerecht und zukunftsfähig. Ziel ist es, Verbraucher für einen nachhaltigeren Konsum zu sensibilisieren und Anbieter von Dienstleistungen und Produzenten zu einer nachhaltigen Handlungsweise anzuregen. Gemeinsam mit Professorinnen und Wissenschaftlern der Heilbronner Hochschule wurden daher bereits 2010 erste Nachhaltigkeitskriterien für die deutsche Weinwirtschaft entwickelt. Eingebettet in ein umfassendes, wissenschaftlich fundiertes Nachhaltigkeitsmanagementprogramm namens „FairChoice” dienen die Kriterien des gemeinnützigen Vereins und das darauf basierende Siegel seither dazu, Nachhaltigkeit in der Weinwirtschaft messbar und vergleichbar zu machen, Transparenz zu schaffen sowie das Bewusstsein und Verständnis für Nachhaltigkeit zu stärken. Unabhängige Gutachter kontrollieren die Einhaltung der Kriterien bei den teilnehmenden Betrieben. So steht das FairChoice-Siegel seit Jahren für eine geprüfte nachhaltige Weinproduktion und ermöglicht den zertifizierten Betrieben, sich auf dem nationalen und internationalen Markt zu positionieren. Produkte und Unternehmen mit dem Nachhaltigkeitssiegel stehen für ökologisch verträgliche, sozial gerechte und ökonomisch tragfähige Produktionsbedingungen und Vermarktung.
Ganzheitlich und digital
Ziel des EIP-Agri-Projektes KliDiNa ist es nun, auf Basis der vom DINE entwickelten FairChoice-Kriterien die erste frei zugängliche digitale Nachhaltigkeitsmanagement-Plattform für die deutsche Weinwirtschaft zu entwickeln. Dazu werden die Nachhaltigkeitskriterien zunächst wissenschaftlich überprüft, bei Bedarf aktualisiert, neu bewertet oder erweitert und anschließend über eine Plattform digital abgebildet. Darüber hinaus werden im Rahmen einer umfangreichen Marktforschungsstudie Daten zur Vermarktung von nachhaltigem Wein in Deutschland erhoben und der Markenauftritt des Programms grundlegend überarbeitet und modernisiert. Teilnehmende Betriebe können künftig nicht nur alle für die Auditierung relevanten Daten und Nachweise digital erfassen, sondern auch die Nachhaltigkeit ihres Betriebes noch einfacher bewerten, steuern und zertifizieren lassen. Die Besonderheit: Nicht nur die am Nachhaltigkeitsprogramm teilnehmenden Betriebe werden künftig Zugang zur digitalen FairChoice-Plattform erhalten, sondern alle Betriebe, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen möchten, können sich bald unverbindlich und kostenlos durch den digitalen Kriterienkatalog klicken und eine kostenlose Bewertung auf Basis der FairChoice-Nachhaltigkeitskriterien erhalten – auf Wunsch auch anonym. Durch intuitive Bedienbarkeit und leichte Zugänglichkeit soll das Thema Nachhaltigkeit so Schritt für Schritt weiter in die Weinbran-che getragen werden. Niederschwelligkeit zur Förderung der Nachhaltigkeitssensibilisierung als ein wichtiger Schritt zur Förderung nachhaltigen Wirtschaftens und einer gemeinsamen Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels in der Weinbranche – das hat sich das KliDiNa-Team auf die Fahnen geschrieben. Die Verantwortlichen freuen sich, bis Ende 2024 an diesem innovativen Projekt arbeiten zu dürfen. Noch in diesem Jahr, spätestens zum Ende der Projektlaufzeit im Dezember 2024, soll die digitale FairChoice-Plattform online für alle interessierten Betriebe zugänglich sein.
Finanzierung
Das Projekt wird im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit” (EIP-AGRI) gemäß dem Maßnahmen- und Entwicklungsplan Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2014-2020 (MEPL III) mit Laufzeit 2014-2022 gefördert. Die Mittel stammen aus dem Aufbauinstrument der Europäischen Union („European Union Recovery Instrument”, kurz EURI). Es soll die Erholung nach der COVID-19-Krise unterstützen. Weitere Infos zum EIP-Agri-Projekt KliDiNa und zu den teilnehmenden Akteuren können online eingesehen werden unter hs-heilbronn.de sowie unter https://kurzelinks.de/KliDiNa.
Kontaktpersonen
Ansprechpartnerin an der Hochschule Heilbronn ist Projektleiterin Professorin Ruth Fleuchaus, Weinmarketing und Management, Telefon 07131/504-552, E-Mail: ruth.fleuchaus@hs-heil bronn.de. Projektkoordination & Wissenschaftliche Mitarbeiterin Marktforschung: Friederike Watzl, Fakultät International Business, Telefon: 07131-504-395, E-Mail: friederike.watzl@hs-heilbronn.de Wissenschaftlicher Mitarbeiter Nachhaltigkeitskriterien & Software: Dr. Felix Haesler, Fakultät International Business, E-Mail: felix.haesler@hs-heilbronn.de.