Fachliches | 04. Mai 2017

Mehrreihige Applikation – aber richtig

Von Oswald Walg, DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück
Viele Winzer fahren beim Rebschutz nur jede zweite Zeile. Das ist allerdings nur ein Kompromiss. Hier lesen Sie, warum.
Überzeilenapplikation mit Radialgebläse und zentraler Luftstromerzeugung. Die Sprühfächer sind nach innen zur Behälterseite gerichtet und verursachen dadurch Abtropfverluste an der Behälterwand und am Gebläsekasten.
Die Betriebe werden größer und die Winzer kommen zunehmend in Schwierigkeiten, den Pflanzenschutz termin- und sachgerecht durchzuführen. Oft wird der steigende Arbeitsdruck durch das Befahren nur jeder zweiten Gasse abgefedert. Die Belagsverteilung der Pflanzenschutzmittel auf der Zielfläche ist hierbei allerdings nicht optimal, da ungleichmäßig.
In der gefahrenen Gasse wird deutlich mehr Wirkstoff in der Laubwand angelagert (Überkonzentrierung) als in der freien Gasse (Unterkonzentrierung). Dort sind insbesondere die Beläge auf den Blattunterseiten deutlich reduziert. Bei niedrigen und lichten Laubwänden, wie sie im Vorblütebereich gegeben sind, ist die Applikation in jeder zweiten Zeile meist unproblematisch und deshalb auch Standard in der Praxis. Bei dichterer und höherer Laubwand ab der Blüte stößt dieses Verfahren jedoch an seine Grenzen.
Dennoch fahren viele Winzer auch nach der Blüte nur jede zweite Zeile und sind mit dem Bekämpfungserfolg zufrieden. Nach starken, ergiebigen Niederschlägen, wie sie im Juni 2016 gefallen sind, haben die Winzer oft auch gar keine andere Wahl, weil die offenen Gassen nicht befahrbar sind.
Traubenzone lichten
Der hohe Peronosporadruck hat im vergangenen Jahr aber auch in vielen Anlagen die Grenzen dieser Fahrweise aufgezeigt. Wenn man sie praktiziert, sollte man auf jeden Fall Vorsorge treffen, um das Behandlungsrisiko möglichst gering zu halten.Gebläse mit horizontaler Luftstromausrichtung und druckstabilem Luftstrom sind, im Hinblick auf die Anlagerung in der nicht gefahrenen Zeile, anderen Systemen vorzuziehen.
Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist eine lichte Traubenzone. Mit einer frühen Teilentblätterung der Traubenzone kann auch beim Befahren jeder zweiten Zeile das Risiko einer unzureichenden Mittelanlagerung in diesem Bereich erheblich gesenkt werden. Nach Möglichkeit sollten die Fahrgassen regelmäßig gewechselt und die Spritzabstände etwas kürzer gehalten werden.
In folgenden Fällen sollte aber – sofern es die Bodenverhältnisse zulassen – in jedem Fall in jeder Zeile gefahren werden:
  • bei sehr hohem Infektionsdruck
  • bei schon vorhandenem Befall (Stoppspritzung)
  • bei Schaderregern, zu deren Bekämpfung eine bestmögliche Anlagerung der Mittel notwendig ist, wie Botrytis oder Sauerwurm.
Welche Methode?
Im Hinblick auf eine optimale Anlagerung der Spritzbrühe ist eine beidseitige luftunterstützte Applikation an der Laubwand die sicherste Methode. In größeren Betrieben, die eine entsprechende Schlagkraft benötigen, können Überzeilenspritz- und Überzeilensprühgeräte helfen, den Arbeitsdruck beim Pflanzenschutz zu mindern. Bei den Überzeilensprühgeräten kann zwischen einer zentralen und einer dezentralen Luftstromerzeugung unterschieden werden.
 
Einen hintergründigen Artikel zu den verschiedenen Überzeilensprühgeräten lesen Sie in der Mai-Ausgabe des Badischen Winzer. Hier abonnieren