Nachrichten | 09. Januar 2020

Mit Neugier das Ziel erreicht

Von Petra Littner
Fabio Fehrenbach schloss im Sommer als bester Absolvent am Weincampus Neustadt das Studium in Weinbau und Önologie ab. Danach fand er im Weingut Dr. Heger in Ihringen eine Anstellung und startete zu Hause ein Rotweinexperiment.
Fabio Fehrenbach profitiert von den vielseitigen theoretischen und praktischen Erfahrungen aus dem dualen Studium.
Winzer sein ist eigentlich echt klasse! Zu dieser Überzeugung kam Fabio Fehrenbach, nachdem er verschiedene andere Dinge ausprobiert hatte. Zwar bewirtschaften seine Eltern im Nebenerwerb Obst und Reben in Sasbach am Kaiserstuhl, aber vielleicht war gerade das der Grund, warum dies nach dem Abitur nicht sein erster Berufswunsch war. Vielmehr ging er nach Karlsruhe und studierte Wirtschaftsingenieurswesen. „Es kam einfach keine Euphorie auf”, erinnert sich der heute 24-Jährige an die Beweggründe, etwas anderes zu machen. Er absolvierte Praktika, unter anderem in der Gastronomie und in der Industrie, besann sich letztlich aber doch auf den Weinbau, der ihn von Kind an begleitete.
Im Studiengang „Weinbau und Önologie” am Weincampus Neustadt fand er, was ihn besonders reizte: die Kombination von Theorie und Praxis, weinbauliche und sensorische Hintergründe und nicht zuletzt der Einblick in Betriebe mit der Möglichkeit, mitzuarbeiten. Der Weg zum dualen Studium, das Fabio Fehrenbach vier Jahre später als Jahrgangsbester abschloss, war eingeschlagen.
Bis zur Prüfung vor einigen Wochen lagen freilich viele Schritte dazwischen. Unter anderem ein Jahr klassische Ausbildung zum Winzer, Praxisphasen in Betrieben in der Pfalz, in der Steiermark und am Kaiserstuhl sowie eine Bachelor-Arbeit, mit der er sich „biogenen Aminen” widmete. Fehrenbach wollte dabei herausfinden, welche Bentonite sich zur Schönung von Rotweinen besonders eignen, und den Wein dahingehend ändern, dass er auch für Menschen mit einer Abbaustörung genießbar wird.
Pfalz, Steiermark und Freiburg
Beim Weingut Neumeister in der Steiermark bewarb er sich, weil ihn der Ausbau von Weißweinen mit längerer Maischestandzeit neugierig gemacht hatte. Heute weiß er, dass dort die Methode aufgrund der im Vergleich zu Baden fast doppelt so hohen Niederschläge, niedrigerer Durchschnittstemperaturen und einer völlig anderen Bodenbeschaffenheit optimal für Aromatik und Struktur ist.
In die Pfalz verschlug es den Jungwinzer zum Weingut Reichsrat von Buhl, einem traditionsreichen Wein- und Sektgut in Deidesheim. Hier war es vor allem die Sektherstellung, zu der er von Kellermeister Mathieu Kauffmann und dessen umfangreichen Erfahrungen aus dem Champagnerhaus Bollinger sehr viel Wertvolles lernte.
Eine weitere Station im Laufe der Ausbildung war beim Gutsbetrieb Blankenhornsberg  des Staatlichen Weinbauinstituts Freiburg in Ihringen. Hier nutzte Fabio Fehrenbach die Gelegenheit, Auflockerungsmaßnahmen der Traubenstruktur zu untersuchen.
Dual ist ideal
Weiterer Bestandteil des Studiums waren neben der Erweiterung von sensorischen Fähigkeiten und technologischen Kenntnissen alle Aspekte der Betriebsführung. Dies nützt ihm nun bei seiner Anstellung im Weingut Dr. Heger in Ihringen, wo er seit 1. August 2019 beschäftigt ist und neben seiner Tätigkeit im Außenbetrieb und Keller hauptsächlich Verwaltungsaufgaben übernommen hat.
Anträge zu stellen, aber auch Weinproben durchzuführen gehört unter anderem dazu. „Eine sehr gute Kombination”, schwärmt der junge Weinexperte, der mit Kunden und Gästen auch mal gerne in den Weinberg fährt. Beispielsweise in die Toplage Ihringer Winklerberg, wo sich Vegetation, Klima und weitere regionale Besonderheiten eindrucksvoll erklären lassen.
Im Studium konnte Fabio Fehrenbach seine Kenntnisse und sensorischen Fähigkeiten maßgeblich erweitern.
Bei Rebarbeiten zu Hause mitzuhelfen, ist für Fabio Fehrenbach selbstverständlich, wenngleich dafür nicht allzu viel Zeit übrig bleibt. Zumal er zwischen Job und Familie gemeinsam mit einem Studienkollegen aus dem Nachbarort sein erstes eigenes Weinprojekt gestartet hat: In der Jechtinger Lage Hochberg haben die beiden im vergangenen Herbst Spätburgundertrauben gelesen, auf der Maische spontan vergären lassen und den Jungwein ins gebrauchte Barriquefass gefüllt. „Die Zeit soll’s richten”, erklärt Fehrenbach und wirkt dabei sehr entspannt. Die bisherige Entwicklung des Weines gibt ihm Rückhalt: „Eine schöne Gerbstoffstruktur und ein klassisches Spätburgunderbukett machen Hoffnung auf einen tollen Wein.”