Weinbauverband | 27. Februar 2024

Die Krise ist nicht nur vorübergehend

Von Petra Littner
Fehlende Planungssicherheit, überbordende Bürokratie und kritische Marktbedingungen machen den Winzern das Leben zunehmend schwer. Weinbaupräsident Rainer Zeller und Geschäftsführer Holger Klein belegten Fakten mit Zahlen.
Über Neuigkeiten aus dem Badischen Weinbauverband informierten (v.l.): Thomas Walz, Rainer Zeller, Holger Klein, Katrin Lang und Martin Schmidt.
Für die Beibehaltung der „grünen Nummer” und des Agrardiesels gehen Landwirte seit  Anfang Januar bundesweit auf die Straße. Auch die Winzerinnen und Winzer in Baden  machen in Kundgebungen und Traktorkorsos auf ihre prekäre Situation aufmerksam. Letztlich hatten die Streichung der Kfz-Steuerermäßigung, die schnell wieder vom Tisch war, und der Vorteil beim Sprit, der nun bis zum Jahr 2026 in Etappen gestrichen werden soll, das Fass jedoch nur zum Überlaufen gebracht. „Wir machen deutlich, dass wir so nicht weiterarbeiten können”, betonte Weinbaupräsident Rainer Zeller im Hinblick auf gemeinsame Aktionen mit dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV). Es gelte, einen Punkteplan zu erarbeiten und die Checkliste konsequent abzuarbeiten.
Überhaupt stellten sich Winzerinnen und Winzer derzeit die Frage, ob das Weitermachen noch lohne. Steigende Kosten und überbordende Verordnungen und Auflagen würden die Wirtschaftlichkeit massiv beeinflussen, sodass immer mehr Nebenerwerbler aufgeben. Zeller zeigte sich dennoch optimistisch: „Ziel ist eine Zukunft für unseren Berufsnachwuchs.”
Geschäftsführer Holger Klein untermauerte die Ausführungen mit aktuellen Marktzahlen. So sei der Pro-Kopf-Verbrauch von Wein im zurückliegenden Jahr um 1 Flasche auf 19,9 Liter zurückgegangen. Beim Absatz von Still- und Schaumwein führte dies im Vergleich zum Vorjahr zu einem Rückgang um 2,9 % auf 18,8 Mio. hl. Von 43 % auf 41 % gesunken sei auch der Marktanteil deutscher Weine im Inland. Angesichts hoher Produktions- und Lohnkosten könne man mit den niedrigen Preisen der ausländischen Konkurrenz, wie zum Beispiel 50 Cent für einen Liter Fasswein, nicht mithalten, so Klein. Darüber hinaus mache sich abnehmender Konsum, nicht zuletzt im Zusammenhang mit der endenden Generation „Babyboomer”, bemerkbar. „Wir haben den Konsumhöhepunkt überschritten”, erklärte der Geschäftsführer.
Flächenmäßig noch keine Auswirkung
Noch habe sich die Krise allerdings nicht merklich auf die Flächenentwicklung ausgewirkt. Vorläufige Zahlen der Weinbaukartei zeigten demnach eine nur leichte Verringerung der bestockten Rebfläche in Baden um 44 ha auf aktuell 15 702 ha. In den zurückliegenden zehn Jahren ist die Rebfläche um etwa 150 ha, also um rund 1 % der Anbaufläche, geschrumpft. Mittelfristig, so Klein, sei allerdings damit  zu rechnen, dass insbesondere Nebenerwerbsbetriebe aufgrund schlechterer Rentabilität  aufgeben würden. Große Betriebe wiederum würden zur Verkleinerung tendieren,  um Kosten – unter anderem für Fremdarbeitskräfte – zu sparen.
Badens Anteil weißer Traubensorten von aktuell 62 % ist in den letzten 20 Jahren um 500ha auf 9675ha gewachsen. Dies komme der stärkeren Nachfrage nach Weißweinen entgegen, erläuterte Holger Klein. Im Sortenspiegel   steht Grauburgunder, der auch den höchsten Zuwachs an Neupflanzungen aufweist, mit 15,3 % beziehungsweise 2400ha Ertragsrebfläche, an erster Stelle. Es folgen 13,8 % Müller-Thurgau, 10,6 % Weißburgunder, 6,5 % Gutedel, 5,6 % Riesling und 2,4 % Chardonnay.
An neunter Stelle steht der noch relativ neue Souvignier Gris. Die Piwi-Sorte  wird aktuell zwar auf nur 125 ha kultiviert, die Fläche ist jedoch im Vergleich zum Vorjahr um 44 % gewachsen. Deutschlandweit ist sie damit nach Cabernet Blanc (570 ha) und Solaris (384 ha) auf Platz 3 geklettert. Nicht zuletzt sei die Züchtung aus dem Staatlichen Weinbauinstitut (WBI) Freiburg ein badisches Erfolgsprodukt, welchem die Schutzgemeinschaft ein entsprechendes Profil geben wolle, so Klein. Bei den Rotweinen dominiert der Spätburgunder, der auf  5031 ha gedeiht, was  32 % der insgesamt 38 % Fläche roter Rebsorten  entspricht. Weitere Sorten spielen eher eine  regionale Rolle, wie zum Beispiel 200 ha Schwarzriesling im Kraichgau.
Mit durchschnittlich 83,9 Hektolitern je Hektar lag der Ertrag unter den erlaubten maximal 90 hl/ha und auch unter dem Vorjahresertrag von 88,4 hl/ha. Regional gab es dabei Unterschiede: Am Tuniberg konnten die höchsten Erträge eingefahren werden, an der Badischen Bergstraße nur 70,5 hl/ha und im Kraichgau 74,8 hl/ha. Trotz mehrerer Hagelereignisse bilanzierte das Markgräflerland 86,3 hl/ha. Insgesamt brachte der Herbst 2023 in Baden 126,6 Mio. Liter und lag damit rund 10,5 Mio. Liter unter der Erntemenge des Vorjahres (137 Mio. Liter). Der Jahrgang zählt damit  zu den mengenmäßig größeren. Nach Einschätzung der Verbandsvertreter sind auch  die Qualitäten erfreulich. Fruchtbetont mit moderater Säure zeigen die Weine  eine Stilistik, die bei den meisten Endverbrauchern sehr gut ankomme.