Fachliches | 11. Juli 2023

Per Grünveredelung auf Piwis umstellen

Von Joel Sartorius, WBI
Ein wichtiger Ansatz für den ökologischen Weinbau der Zukunft ist die Förderung von krankheitstoleranten Rebsorten. Denn die bevorstehende Einschränkung beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die klimatischen Veränderungen erfordern neue Strategien. Doch wie lassen sich Rebflächen kostengünstig auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten (Piwis) umstellen? Die Standortveredlung kann eine Lösung sein.
Hier ist die Spaltveredlung „Holz auf Grün” vor dem Verbinden zu sehen.
Seit Januar 2023 wird am Staatlichen Weinbauinstitut (WBI) Freiburg innerhalb des EIP-Projektes „Förderung von neuen Bio-Rebflächen mit Piwi-Anbau durch Verfahren der Standortveredelung” eine Methode der Grünveredlung wissenschaftlich untersucht. Die „Holz-auf-Grün-Veredlung” nach Dieter Rösch ist eine Grünveredlung, bei der die Edelreiser auf grüne Wasserschosse aus dem unteren Stammbereich der Rebe gepfropft werden.
Während bei bisherigen Grünveredlungsmethoden die Laubwand an der Bestandsrebsorte entfernt wurde, werden hier nur die Triebspitzen gekappt, sodass die Vegetation der Bestandssorte im Jahr der Veredlung bestehen bleibt. Dies erzeugt einen hormonellen Reiz, der das Anwachsen des Edelreisers ermöglicht. Ein weiterer wichtiger Vorteil besteht darin, dass die Bestandsrebsorte im Jahr der Veredlung trotzdem Ertrag bringt, was bei den bisherigen Methoden noch nicht möglich war. Ziel der wissenschaftlichen Untersuchung ist, eine Kosten- und Zeiterfassung für ein wirtschaftliches Konzept zu erstellen, klare Handlungsempfehlungen für die Praxis herauszugeben und somit diese Veredlungsmethode gemeinsam mit dem Piwi-Kollektiv in der Praxis zu etablieren. Ein Handbuch für Winzerinnen und Winzer mit einer Anleitung soll im Anschluss folgen, damit kleinere Vorhaben mit eigenen betrieblichen Ressourcen durchgeführt werden können.
Eine hohe Edelreiserqualität ist für eine erfolgreiche Veredlung essenziell. Daher wurden vor Beginn der eigentlichen Umveredlung Versuche zur Edelreisereinlagerung und Vorbereitung durchgeführt. Auf einer Testfläche von vorerst 20 Ar soll zudem  untersucht werden, ob Unterschiede im Anwuchsverhalten verschiedener Rebsorten zu erkennen sind. Zur Optimierung der Abläufe werden Werkzeuge zur Veredlung und für die Herstellung der Edelreiser neu entwickelt.
Die „Holz-auf-Grün-Methode” nach Dieter Rösch braucht bestimmte klimatische Voraussetzungen und kann nach jetzigem Stand nur in einem relativ kurzen Zeitraum, bei einer Trieblänge von 40 bis 50 cm, etwa bis zum Zeitpunkt der Blüte, durchgeführt werden. Zur Erweiterung des Veredlungsfensters wurden deshalb erste Versuche zu einer „Holz-auf-Holz-Veredlung” sowie zu einer „Grün-auf-Grün-Veredlung” durchgeführt.