Nachrichten | 04. August 2016

Weinwirtschafts-Maßstäbe gesetzt

Von Ralph Lacher
Der Geschäftsführer der Bezirkskellerei Markgräflerland, Gerhard Rüdlin, wurde nach 45 Jahren in den Ruhestand verabschiedet und erhielt hohe Verbandsehrungen.
Präsident Roman Glaser zeichnete Gerhard Rüdlin mit der Goldenen Ehrennadel des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands aus.
Es war ein Abschiedsfest mit heiteren, manchmal nachdenklichen, aber auch persönlichen und emotionalen Momenten. Über 1200 Gäste füllten das in den badischen Farben gelb und rot geschmückte Zelt auf dem Winzerfestplatz in Efringen-Kirchen. Winzer, Geschäftspartner, Weggefährten, Mitarbeiter und auch Vertreter örtlicher Weingüter waren gekommen, um gemeinsam mit dem scheidenden Geschäftsführer gebührend zu feiern.
 „Eine Ära in der Geschichte der Bezirkskellerei geht zu Ende”, betonte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Höferlin. Er müsse vor dem Verwaltungsrat, der „damals nicht auf Rosen gebetteten Bezirkskellerei” den Hut ziehen. Dieser habe 1971 die Geschäfte einem 23-jährigen Jüngling anvertraut. Höferlin lobte  Rüdlins Mut, Tatendrang, Ideenreichtum und Zuversicht. Diese Worte ergänzte der Aufsichtsratsvorsitzende Hansjörg Lang mit dem Dank „für eine unbeschreibliche Leistung”. Mit der Wahl von Rüdlins Sohn Hagen habe der Verwaltungsrat eine gute Entscheidung getroffen, so Lang.
Verbandsehrungen
Seitens der Verbände erhielt Gerhard Rüdlin hohe Ehrungen: Roman Glaser, Präsident des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands, nannte Rüdlin ein „genossenschaftliches Urgestein”. Als Verantwortlicher habe er in vielen Bereichen Maßstäbe gesetzt und die Bezirkskellerei im genossenschaftlichen Sinne weiterentwickelt und  in einem immer komplexer werdenden Weinmarkt stets neu  justiert. Glaser überreichte Rüdlin die Ehrennadel in Gold mit Urkunde des Genossenschaftsverbands. Kilian Schneider, Präsident des Badischen Weinbauverbands, heftete ihm die Goldene Ehrennadel, die höchste Auszeichnung seines Verbands, ans Revers. Schneider bezeichnete die Bezirkskellerei Markgräflerland als Vorzeigebetrieb. „Modern, leistungsfähig, kostengünstig, gut im Markt; das Wohl der Winzer ist Ihr Herzensanliegen”, sagte Schneider. Darüber hinaus seien Rüdlin auch die Belange des gesamten Anbaugebiets ein großes Anliegen gewesen. Die Mitarbeit in vielen Gremien als Bereichsvorsitzender, als Vizepräsident im Weinbauverband sowie in der badischen Weinwerbung gehörten demnach für ihn dazu.  Auch, dass seine Entscheidungen  nicht immer ausschließlich Begeisterung auslösten.  
Würdigungen
Kilian Schneider ehrte Rüdlin im Namen des Badischen Weinbauverbands.
Bürgermeister Philipp Schmid dankte Rüdlin vor allem für die Sicherung von Arbeitsplätzen und dessen kommunalpolitisches Engagement als Bürgermeister-Stellvertreter in Efringen-Kirchen. Des Weiteren würdigten langjährige  Wegbegleiter  Rüdlins Lebenswerk. So sei aus einer über 40-jährigen Lieferanten-Kunden-Beziehung eine Freundschaft entstanden, schilderte Jörg Hieber, Senior-Chef der gleichnamigen Einkaufsmärkte. Gemeinsam sei ihnen das Streben, dem badischen Wein zu mehr Bedeutung zu verhelfen. Für die Markgräfler Geschäftsführer-Kollegen sprach Thomas Basler aus Auggen. Rüdlin habe stets schlagkräftige Argumente gehabt. Legendär seien die emotionalen Reden des wortgewaltigen Kollegen, mit dessen Abschied eine Ära zu Ende gehe. Daneben erinnerte sich Sonja Höferlin, scheidende Geschäftsführerin der Badischer Wein GmbH,  an ihre Begeisterung für Rüdlin, der sie als junge Weinhoheit 1986/87 unterstützt habe.
39 Jahre lang hat Kellermeister Günter Ehret Geschäftsführer Rüdlin, den „Kapitän auf dem Schiff BKM mit Kurs immer geradeaus”, begleitet. Drohte eine Flaute, habe Rüdlin durch seine impulsive, manchmal auch unbequeme Art selbst für den nächsten Sturm gesorgt. Im Namen des Kellerei-Teams übergab Ehret eine Flasche 1971er Efringer Weißburgunder Spätlese und eine 15-Liter-Flasche Spätburgunder Auslese trocken, Jahrgang 2015, mit Rüdlin-Foto sowie eine Collage.
Dankesworte
„Das hat gut getan”, freute sich Gerhard Rüdlin über die Ehrungen und räumte ein, dass er die hohe Diplomatie nicht gelernt habe. Er sei dankbar für jahrzehntelange Verbindungen etwa mit Jörg Hieber, Frank und Beate Frickenstein von der Firma Warren in Essen, der örtlichen Firma Elektro-Berger und dem Etiketten-Hersteller Vollherbst. Daraus seien Freundschaften entstanden, die ihm viel bedeuteten. Dies gelte auch für zahlreiche Gastronomen. Rüdlin lobte auch seine Mitarbeiter, denen er nicht immer ein angenehmer, aber hilfsbereiter Chef gewesen sei. Bevor er zu den Klängen des Sinatra-Songs „My Way” von der Bühne schritt, bekräftigte er, dass er auch im Kreis der Geschäftsführer-Kollegen stets versucht habe, die Weinwirtschaft gemeinsam nach vorne zu bringen. Nun freue er sich auf mehr Zeit – für seine Frau und Enkel, fürs Golfen und Jagen. In keinem Fall werde er „irgendetwas in der Weinbranche oder in der Bezirkskellerei” tun.