Fachliches | 06. Oktober 2016

Soziale und digitale Medien für Wein und Tourismus nutzen

Von Julian Semet, Themenmanager Wein & Kulinarik/Projektleiter „Erlebnismarke Badische Weinstraße” Schwarzwald Tourismus GmbH, Freiburg
Durch Social Media hat sich der Marktplatz Internet in den letzten Jahren spürbar gewandelt: von der einseitigen Kommunikation hin zu einem Dialog mit der Zielgruppe und zu einer lebendigen Darstellung. Hier Tipps zur erfolgreichen Gestaltung des Online- und Social-Media-Marketings.
Fotos und Videos sind heutzutage schnell und einfach mit Freunden geteilt.
Professionelle Online-Vermarktung und die Präsenz in verschiedenen Social-Media-Kanälen gehören für viele Akteure in Wein- und Tourismuswirtschaft mittlerweile zum Alltag. Klassische Werkzeuge wie eine zeitgemäße Webseite oder Online-Shop haben nach wie vor große Bedeutung und werden stetig weiterentwickelt. 
Der durch Social Media hervorgerufene Wandel in der Internet-Welt ermöglicht andere Rollenverteilungen in der Kommunikation und eröffnet neue Perspektiven: Das Internet gibt Verbrauchern durch Empfehlungen, Bewertungen und die einfache Verbreitung von Inhalten  in der heutigen Zeit eine eigene Stimme. Facebook, Twitter, Instagram und Co. sind als soziale Netzwerke in aller Munde und weitaus mehr als das Kommunikationsmedium der Jugend. Sie bieten vielmehr die Möglichkeit, neue Käufergruppen zu gewinnen, bestehende Kontakte zu pflegen und das Image eines Unternehmens zu verbessern und zu modernisieren.
Online-Verkauf wird immer wichtiger
Deutschland ist online unterwegs: Selbst diejenigen, die ausschließlich stationäre Computer nutzen, machen lediglich an zwei Tagen in der Woche eine Pause vom World Wide Web – die mobilen Internetnutzer sind mit 6,3 Tagen so gut wie jeden Wochentag online unterwegs. Bereits 80 % der Deutschen verfügen über ein Smartphone und 55 % der Bevölkerung nutzen das Web auch mobil. Der Weinkauf im Internet wird somit auch immer beliebter. Bereits mehr als jeder zweite deutsche Weinkäufer (57 Prozent) hat sich nach den Ergebnissen einer repräsentativen Befragung der Hochschule Heilbronn schon im Internet bedient. Auch für das Thema Reisen wird das Internet nicht mehr nur zur Information und Inspiration verwendet, 43 % buchen ihre Urlaubsreise bereits online. Auch die mobilen Endgeräte werden hierbei immer stärker zur Buchung von Privatreisen verwendet. 
Aktuelle Trends im digitalen Marketing
  • Immersive Technologien – allen voran 360°-Videos und Virtual Reality
    Virtual-Reality-Brillen bieten seit letztem Jahr neue dreidimensionale Perspektiven, vor allem in der Freizeitwirtschaft. Das Erlebnis, in solch eine virtuelle Welt in 360° Panorama einzutauchen und diese mit der Kopfbewegung zu steuern, ist eindrücklich. Facebook hat durch die kürzliche Freischaltung der 360° Panoramafunktion eine einfache Benutzeroberfläche für jeden User gelegt und macht es einfach, Rundum-Impressionen mit den Zielgruppen zu teilen. Einfachen Content kann jeder über die Panorama-Funktion des Smartphones produzieren, die allerdings nicht die kompletten 360° abdeckt. Interessanter wird es dann schon mit einfachen 360°-Kameras, die eine schnelle, einfache Bild- und auch Videoaufnahme erlauben und für etwa 300 € zu haben sind. Tipp: Bei Gelegenheit einmal das neue Coastiality® im Europa-Park ausprobieren –  virtuelle und echte Realität verschmelzen auf der Achterbahn!

  •  Video-Inhalte
    Über die Hälfte aller deutschen Internet-Nutzer sehen sich mindestens einmal pro Woche Bewegtbildinhalte an. Eindrücke aus der Weinlandschaft, aus dem Keller oder von Weinerlebnissen lassen sich mittlerweile in guter Bild- und Tonqualität mit der Smartphone-Kamera aufnehmen und in die Social-Media-Welt tragen. Hierbei sorgen vor allem kurze Videos mit emotionaler Spannung und Witz für einen viralen Effekt.

  • Live-Streaming
    Live-Streaming für Videos ist nicht komplett neu, aber durch neue Anwendungen (zum Beispiel Periscope oder Livestream und vor allem Facebook Live) ist es nun für jeden einfach nutzbar und man erreicht seine Zielgruppe in Echtzeit. Warum nicht mal live aus dem Keller, von der Weinlese oder von einem Weinfest berichten?

  •  Influencer & Blogger Marketing
    Bloggerreisen, Influencer-Kampagnen und die Arbeit mit Testimonials (Auftreten von bekannten Persönlichkeiten) und (digitalen) Multiplikatoren sind angesagter denn je. Warum? Sie schaffen Vertrauen, Sicherheit und führen mit einem glaubwürdigen Content auf verschiedenen Plattformen durch den Angebotsdschungel. Über die Blogger beziehungsweise Influencer werden dabei Personen erreicht, die sich nicht im Netzwerk der eigenen Kanäle befinden. Die Reichweite steigt somit enorm. Ebenso können die Blogger beziehungsweise Influencer Content wie Fotos und Videos erstellen und zur eigenen Nutzung zur Verfügung stellen. Beispiel: Beauty-Bloggerin „BibisBeautyPalace” und Neckermann Reisen

  • Facebook-Werbung
    Alleine auf Facebook gibt es mittlerweile diverse Werbeformate, die ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Neben den vielfältigen Anzeigenformaten und der enormen Reichweite ist Facebook vor allem durch die gigantischen Targetingmöglichkeiten für Wein- und Tourismuswerbung sehr relevant geworden. Beispiel: Regionales Eventmarketing auf Facebook: Weingut Weber (Ettenheim) macht mit Weinparty-Videos erfolgreich auf die nächsten Events aufmerksam:

  • Real-Time-Marketing
    Real-Time-Marketing beschreibt Marketingmaßnahmen, mit denen Unternehmen hochaktuelle Themen, Trends oder Ereignisse, einen „Hype” (lokal, national oder international) zur Ansprache ihrer Zielgruppe aufgreifen und zu Werbe- und Marketingzwecken nutzen.In nahezu Echtzeit wird ein Thema für die eigene Marke eingesetzt und erreicht dabei eine starken viralen Effekt. Beispiel hierfür ist die schnelle und provokante Reaktion der Sixt-Autovermietung auf den Lokführer-Streik der GDL oder ganz aktuell die Pokémon-Go-Aktion von Basel Tourismus.
Storytelling wirkt – Gschichte üsm Wiikeller
Wein und Tourismus haben im Verkauf etwas gemeinsam, das man auf den ersten Blick gar nicht erkennt: auf der einen Seite ein geschaffenes Produkt, auf der anderen Seite ein immaterielles Erlebnis. Beides lebt von Geschichten und Emotionen, von Wünschen und Bedürfnissen. Und genau diese Elemente lassen sich hervorragend durch spannende, individuelle Inhalte und Geschichten kommunizieren. Storytelling ist in Social Media, Kommunikation und Marketing in aller Munde. Gehen Sie auf Spurensuche und spüren etwa den Ursprüngen des Weinguts nach, seinen Gründern und deren Mission. Nicht das Produkt oder eine bestimmte touristische Leistung an sich zählen, sondern die fesselnden, emotionalen und wahren Geschichten dahinter. Wo kommt man her, was hat man für Ziele, wofür brennt man, was treibt einen an? Geschichten verhelfen nicht nur dazu, dass Dinge sich im Gehirn stärker verhaften. Sie stellen eine persönliche Verbindung her und wecken Emotionen. So entsteht eine vertrauensvolle Beziehung, die gerne an Dritte weitergetragen wird.
Beispiele: Telekom-Werbung; Schweiz – Mehr als Berge; Paso Robles Wines
Fünf Tipps für Facebook
  • Mehrwert bieten: Gewähren Sie einen Blick hinter die Kulissen, erzählen Sie Anekdoten oder erstellen Sie Gewinnspiele

  • Postings planen: Nutzen Sie die Facebook-Funktion und planen Sie Beiträge bei Abwesenheit oder zu Zeiten, wenn Nutzer verstärkt auf die Bildschirme schauen
  • Mit anderen Kanälen verbinden: auf Website und anderen Plattformen auf Facebook-Seite hinweisen und umgekehrt

  • Formate nutzen: Nutzen Sie alle Ihnen zur Verfügung stehenden Medien (Text, Videos, Fotos, Livestreams)
Fünf Tipps für Instagram
  • Hashtags nutzen: Finden Sie die besten Hashtags in der eigenen Nische und beobachten Sie, welche aktuellen Hashtags viel Aufmerksamkeit bekommen

  • Markenstil beachten: Schöne Fotos, die motivisch und farblich harmonieren

  • Geotagging: Verortung des Standorts ist quasi ein Muss
     
  • Crossmedial: Verbinden Sie Ihr Instagram-Konto mit Facebook, Twitter, Website &  Co.

  • Kreative Inhalte: Zeigen Sie mehr Emotionen durch kreativen Content
Und nun: Mitmachen!
  • Social-Media-Kampagne #WeinsichtenBW
    Bei der Kampagne des „Runden Tisches Weintourismus Baden-Württemberg”, die Anfang September gestartet ist, setzt man auf sogenannten User Generated Content: Nutzer (Gäste/Winzer/Touristiker/...) werden dazu aufgerufen, Bilder mit dem Hashtag #WeinsichtenBW bei Facebook und Instagram hochzuladen. Das Ziel: Die schönen Seiten des WeinSüdens zu präsentieren und auf diese Weise zugleich bekannter zu machen.
    #WeinsichtenBW ist eine gemeinsame Aktion der Akteure des Runden Tisches Weintourismus Baden-Württemberg.


  • Wie kann man sich sonst einbringen?
    Es bestehen vielfältige  Möglichkeiten, sich im Rahmen der Badischen Weinstraße und Schwarzwald Tourismus online zu präsentieren. Die Internetseite steht den Akteuren aus dem Weintourismus offen und auch auf den Social-Media-Kanälen sind Input und Vernetzung gefragt. Weitere Infos
Womit Weingüter, Winzergenossenschaften und Weinorte sofort anfangen können:
  • Überprüfen Sie Ihren Eintrag auf den entsprechenden  Webseiten und melden Sie  Änderungswünsche
  • Melden Sie sich für das monatliche Rundschreiben der Schwarzwald Tourismus GmbH an –  hier wird über Beteiligungsmöglichkeiten, Ausschreibungen, Seminare und mehr informiert.