Nachrichten | 02. Juli 2021

Sparkurs zeigt noch keine Wirkung

Von Petra Littner
Das Ergebnis des Geschäftsjahres 2020 des Badischen Winzerkellers weist einen leichten Umsatzzuwachs, aber auch einen Fehlbetrag von 1,7 Mio. Euro aus. Der Vorstand argumentiert mit reduziertem Bestand und steigenden Kosten. Das Traubengeld bleibt stabil, gespart wird weiterhin.
Christof Joos, André Weltz, Eckart Escher und Henning Johanßen (von links) trugen gemeinsam den Geschäftsbericht 2020 vor.
Zu verkünden gab es vordergründig Positives. So berichtete André Weltz, im Badischen Winzerkeller (BWK) Breisach seit 1. Januar 2021 als geschäftsführendes Vorstandsmitglied Nachfolger von Dr. Peter Schuster, in der Bilanzpressekonferenz zunächst von einem leichten Umsatzplus in Höhe von 2,8 Prozent. In Euro ausgedrückt  sind dies  46,6 Mio. gegenüber 45,3 Mio. im Vorjahr.  
Weltz sprach auch den Transformationsprozess an, bei dem man sich nun in der vorangeschrittenen Phase befinde. Dies beziehe sich auf Betriebsstrukturen, Prozesse und die  Marktausrichtung. Weltz verwies in diesem Zusammenhang auf Einsparungen bei betrieblichen Aufwendungen aber auch im Personalbereich – die Zahl der Mitarbeitenden (ohne Auszubildende und Geschäftsführung) wurde von 129 auf 125 reduziert. Der Personalaufwand werde nach einer „Road-Map 2023” (Drei-Jahres-Plan) weiter geprüft.
Die Ertragslage des Unternehmens ist trotz Kostenreduzierung im Gesamtergebnis nicht zufriedenstellend, heißt es im Geschäftsbericht. Dies soll durch 10 % Kosteneinsparungen verbessert werden.
Investitionen reduziert
Im Zuge des Sparkurses wurde auch weniger investiert. Waren es in den Jahren 2017 bis 2019 durchschnittlich 1,6 Mio. Euro pro Jahr, so wurden laut Geschäftsbericht in 2020 nur noch 0,55 Mio. Euro in Sanierungen  und Neuanschaffungen gesteckt. Zuletzt in technische Anlagen wie Kühlung und Luftversorgung sowie in den Austausch alter Stahltanks.
Im Export habe man einen Rückgang von 18,1 % verzeichnen müssen, erklärte Weltz.  Pandemiebedingt hingegen seien vor allem Verluste im Gastronomiebereich (51,5%) zu beklagen. Im Vertrieb macht dieses Segment zusammen mit Fachhandel und Export allerdings nur vier Prozent aus. 88 % der Weine und Sekte werden über den Lebensmittelhandel und Discount verkauft, weitere acht Prozent direkt im BWK und über die Weinhöfe. Der Rebsortenspiegel umfasst 42 % Spätburgunder, 21 % Müller-Thurgau, 13 % Grauburgunder, 12 % Weißburgunder und 12 % weitere Sorten. Trotz durchschnittlichem Umsatzplus sind die Erlöse gesunken.
3,1 Million Euro Minus In der Summe zeigt die Bilanz des Geschäftsjahres 2020 einen Fehlbetrag in Höhe von 1,7 Mio. Euro, der sich zusammen mit dem Verlustvortrag von 2019 auf satte 3,1 Mio. Euro erhöhte. Vorstand Eckart Escher sieht eine Ursache für das Minus in der starken Bestandsverminderung. Aufgrund der etwa 20 % kleineren Ernte habe man Wein zukaufen müssen.  
Markenweine sind gefragt
Mit den Markenweinen der Serien „Martin Schongauer”, „Heinrich Hansjakob”, „Schloss Munzingen”, „Junge Winzer” und der neuen Sonnenwinzer-Kollektion habe man Umsatzzuwächse in Höhe von 7,7 Prozent erzielt, mit der Weinlinie „Gosch” sogar rund 50 Prozent, ergänzte Marketingleiter Christof Joos. „In der Pandemie haben die Menschen das Bedürfnis nach Verlässlichkeit und Sicherheit. Marken stehen dafür.”
Generell soll das Sortiment konsequent gestrafft werden. Weltz erklärte die Top-Ten-Strategie: „Wir wollen die Individualität erhalten, werden die Produkte aber auf deren Absatzrelevanz prüfen.” So soll aus über 1400 verschiedenen Weinen und Sekten ein  konsumorientiertes Warenangebot entstehen, für das sich eine konkrete Stückzahl noch nicht benennen lasse. Außerdem wolle man sich − gemäß dem erklärten Unternehmenszweck anlässlich der Winzerkeller-Gründung im Jahr 1952 – wieder stärker darauf konzentrieren, die Produkte außerhalb Badens zu vermarkten. 
Trotz erschwerter Marktbedingungen sieht André Weltz angesichts stabilder Umsätze im ersten Halbjahr 2021 die Entwicklung positiv. Ziel sei letztlich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen  Einnahmen und Ausgaben.  
Traubengeld im Blick
„Das Traubengeld ist Maßstab unseres Handelns”, betonte der Geschäftsführer weiter. Die Auszahlung an die zirka 4000 Winzerinnen und Winzer sei stabil. In 49 Mitgliedsbetrieben (2019: 50) bewirtschaften sie zusammen 1618 ha (2019: 1670 ha). Nach Austritten der Winzer von Baden, Wiesloch, und der WG Schliengen-Müllheim liegen laut Escher aktuell keine Kündigungen vor. Ein Faktor der Auszahlung ist die Vermarktungsmenge: Insgesamt wurden im Jahr 2020 inklusive Zukauf 15,2 Mio. Liter Wein eingelagert (Vorjahr: 17,3 Mio. Liter), der gesamte Weinbestand betrug daraufhin 21 Mio. Liter (Vorjahr 24,1 Mio. Liter).
Nicht unerwähnt ließ Henning Johanßen, Leiter Unternehmenskommunikation neben vielen Prämierungserfolgen das Engagement des BWK in Sachen Umwelt: Mit fünf eigenen Photovoltaik-Anlagen wurden in 2020 rund 1 Mio. kWh Strom erzeugt, einhergehend mit der Vermeidung von 7500 t CO2.