Fachliches | 02. April 2024

Herbizide zur Unterstockpflege

Von Roland Zipf
Durch die überdurchschnittlich milden Temperaturen im Februar und März ist die Vegetation weiter als sonst. Der Austrieb der Reben hat in den frühesten Lagen bereits stattgefunden, in den kühleren steht er zumindest kurz bevor. Somit ist es Zeit für die Unterstockpflege – mechanisch oder mit Herbiziden.
Falsche Herbizidanwendung im Weinberg: Nicht-Kulturflächen wie Feldwege und deren Ränder dürfen nicht behandelt werden.
Aufgrund der sich jährlich ändernden zugelassenen Mittel beschäftigt sich dieser Artikel schwerpunktmäßig mit der Zulassungssituation der Herbizide für die Wasser- und Quellschutzgebiete.
Nach der Verlängerung der Wirkstoffzulassung für Glyphosat auf EU-Ebene wurde das im Raum stehende vollständige Glyphosatverbot durch eine Eilverordnung des Bundes bis zum 30. Juni außer Kraft gesetzt. Damit bleibt die Anwendung von Glyphosat unter den bekannten Einschränkungen in Deutschland zumindest im ersten Halbjahr möglich. Die längerfristigen Regelungen für den möglichen Einsatz des Wirkstoffes werden dann in einer neuen Pflanzenschutzanwendungsverordnung festgeschrieben.   
Die Einschränkungen beim Glyphosateinsatz bedingen damit nach wie vor das vollständige Verbot des Einsatzes in Wasserschutzgebieten (WSG) und Quellschutzgebieten (QSG). Die Nutzung mechanischer Verfahren stellt unabhängig von der Gebietseinstufung besonders in flachen und gut zu mechanisierenden Lagen eine praktikable Alternative dar. Ein Herbizidverzicht wird in Baden-Württemberg auch über die FAKT-II-Maßnahme „E11” mit 300 Euro pro Hektar gefördert. 
Auf Herbizide angewiesen
Mechanische Verfahren oder Kombinationen aus Herbiziden und mechanischen Verfahren werden zunehmend in der Praxis umgesetzt. Nach Anwendung von Vorauflaufmitteln, wie Kerb Flo, Vorox F oder Katana, sollte zum Wirkungserhalt nur Technik zum Einsatz kommen, die nicht in den Boden eingreift. Dennoch sind viele Betriebe nach wie vor aus Gründen der Arbeitswirtschaft und der Kostensituation auf den Herbizideinsatz angewiesen. Daher haben sich die Weinbauverbände aus Baden und Württemberg für Rebflächen in WSG und QSG innerhalb der Landesfläche für die Saison 2024 um Alternativlösungen bemüht, um auch dort eine herbizide Lösung zur Regulierung der Unterstockvegetation zu ermöglichen.
Eine Betriebsmeldung an den jeweiligen Weinbauverband war im Vorfeld erforderlich; die Bescheide wurden den teilnehmenden Betrieben inzwischen zugesandt. Die über § 22.2 PflSchG für Baden-Württemberg genehmigten Produkte Select 240 EC und U46 M-fluid dürfen von den gemeldeten Betrieben nur auf Flächen zum Einsatz kommen, die vom Glyphosatverbot innerhalb der WSG und QSG betroffen sind. Lediglich angeschnittene Flurstücke dürfen auf der Gesamtfläche behandelt werden. In einer Übersicht unter  https://kurzelinks.de/Herbizide hat die Weinbauberatung die Wirkungsbereiche und wichtige Informationen zu den einzelnen Produkten dargestellt.
Seit dem Glyphosatverbot in WSG und QSG steht dort kein Herbizid mehr mit vollumfänglicher Wirkungsbreite zur Verfügung. Die alternativen Herbizidprodukte können daher als Bausteine einer mit Mechanik kombinierten Anwendung oder einer Kombinationsstrategie mit mehreren Herbiziden fungieren. Bei allen Herbizidanwendungen ist das Minimierungsgebot zu beachten und ein niedrig gehaltener Unterstockbewuchs zu tolerieren.
Die Empfehlung einer allgemein gültigen, glyphosatfreien Unterstockstrategie ist aufgrund der Standortunterschiede und der technischen Möglichkeiten der Betriebe schwierig. Nachdem die letzten beiden Weinbaujahre während der Vegetation überwiegend von Trockenheit geprägt waren, lassen sich die gewonnenen Praxiserfahrungen zwar nicht verallgemeinern, aber dennoch haben sich in der Praxis einige standortspezifische Strategien als zielführend erwiesen.
Wenn nur im Unterstockbereich behandelt wird, muss die flächenbezogene Aufwandmenge reduziert werden.
 
Bodenherbizide und Abbrenner
Das Bodenherbizid Katana hat seine Stärke in der Dauerwirkung. Der Wirkstoff ist zudem auch blattaktiv und sorgt dort für einen langsamen Absterbeprozess insbesondere bei jungen Unkrautstadien. Bei einem Soloeinsatz wird die Zugabe eines Netzmittels empfohlen. Die am häufigsten in den WSG/QSG-Flächen verbreitete Herbizidstrategie ist die kombinierte Anwendung von Katana und einem zugelassenen Gräserprodukt im April. Durch die Zugabe des Gräserprodukts wird die blattaktive Wirkung von Katana bei Gräsern verstärkt.
Beim Einsatz der Gräserprodukte gilt es zu beachten, dass Focus Ultra seit diesem Jahr eine generelle Zulassung ohne Gebietseinschränkung hat, dagegen steht Select 240 EC nur nach vorheriger Genehmigung für Rebflächen in WSG und QSG zur Verfügung.
Damit die Quecke zufriedenstellend erfasst werden kann, sollte sie ausreichend Blattmasse aufweisen, etwa 15 bis 20 cm. Focus Ultra kann in einmaliger Anwendung nur bis zum Stadium „beginnende Blüte”, BBCH 60, eingesetzt werden. Select 240 EC ebenfalls im einmaligen Einsatz ab dem Nachblütebereich, BBCH 71, bis Ende Traubenschluss, BBCH 79. Wüchsiges Wetter und hohe Luftfeuchtigkeit verbessern die Wirkung. Der Wirkstoff wird von den Stockaustrieben nicht aufgenommen. Erforderlich ist der Zusatz der entsprechenden Netzmittel, Radiamix bei Select und Dash bei Focus Ultra. Zur Gräserbekämpfung kann auch Kerb Flo als reines Bodenherbizid zum Einsatz kommen. Allerdings sollte das Produkt in der Vegetationsruhe eingesetzt werden. Dieses Frühjahr ist der Einsatzzeitpunkt für das Mittel damit deutlich überschritten.
Reine Abbrenner Shark und Quickdown sind zur Entfernung von Stockausschlägen bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. Die jeweilige Sortenbeschränkung ist unabhängig von der Gebietseinstufung zu beachten. Hinzugekommen ist in diesem Jahr die generelle Zulassung von Beloukha zur Stocktriebentfernung, in Ertragsanlagen zusätzlich auch als Herbizid.
Als reine Abbrenner verätzen die drei genannten Produkte Rebblätter, Triebe und als zwangsläufig eintretende Nebenwirkung auch den Beikrautbewuchs unter den Stöcken. Eine gute Benetzung ist wichtig. Sonniges Wetter nach der Anwendung verbessert die Wirkung. Die Anwendung sollte nicht in den Abendstunden oder bei trübem Wetter erfolgen. Abdrift ist unbedingt zu vermeiden, weshalb abdriftarme Düsen und entsprechende Abschirmungen zu verwenden sind. Eine Kombination der Abbrenner mit Gräserprodukten hat sich aufgrund unterschiedlicher Anwendungszeitpunkte als nicht optimal erwiesen. 
Problemunkräuter
Eine wurzeltiefe Bekämpfung von Problemunkräutern wie Ackerwinde, Distelarten und teilweise auch Brennnessel kann mit dem Wuchsstoffpräparat U46 M-fluid erreicht werden. Der Einsatz ist zwischen Erbsengröße, BBCH 73, und Reifebeginn, BBCH 81, möglich. Die Anwendung sollte aufgrund der hohen Thermik- und Abdriftgefahr nur bei optimalen äußeren Bedingungen, also  Windstille, Temperaturen unter 25 °C, und niedriger Luftfeuchtigkeit erfolgen. Sofern eine Zweitanwendung gegen Schadgräser erforderlich ist, kann die Bekämpfung durch eine Kombination mit Select 240 EC erreicht werden.
Vorox F steht für Junganlagen zur Verfügung. Der Einsatz muss auf relativ bewuchsfreien Boden erfolgen, denn insbesondere bei höherem Bewuchs wird die Wirkungsweise des Bodenherbizids gestört. Damit ist auch hier der optimale Anwendungszeitpunkt in den meisten Anlagen bereits verstrichen.   
 
Herbizide nach § 22.2 PflSchG in Schutzgebieten
Die Anwendung von Glyphosat ist auf Rebflächen in Wasserschutz- und Heilquellenschutzgebieten verboten. Es stehen unter anderem die Herbizide Select 240 EC und U46 M-fluid zur Verfügung. Unbedingt beachten: Diese Produkte dürfen nur von Winzern eingesetzt werden, die im Vorfeld der § 22.2-Genehmigung eine Flächenmeldung über den jeweiligen Weinbauverbandes abgegeben hatten.