Nachrichten | 02. Juli 2020

Dirigent im Burgunder-Orchester

Von Petra Littner
Martin Räpple hat im Kaiserstühler Winzerverein Oberrotweil eine eigenständige Weingutslinie mit fünf Weinen unter dem Namen „Fasskollektion” gegründet.
Als Grundlage für seine Weine erntet Martin Räpple gesundes Lesegut punktgenau.
Genau genommen widerspricht es dem Genossenschaftsgedanken, dass ein Mitglied innerhalb einer Erzeugergemeinschaft eigene Wege geht. Martin Räpple jedoch hat genau dies erreicht: Er gründete im Kaiserstühler Winzerverein Oberrotweil eine Weingutslinie. Ebenso eigenwillig wie Räpples Idee ist auch seine Vorstellung vom Charakter der bislang fünf Weine: schlicht, elegant, süffig, komplett durchgegoren, maximal 13 Volumenprozent Alkohol, knackig-frisch und  mit dezenter Frucht.
Das Rezept: „Ganztraubenpressung”. Die Maische ruht für kurze Zeit mitsamt Stielen, Kernen und Beerenschalen. Phenole und Tannine entfalten sich. Der entstehende griffige Charakter ist typisch für seine Weine. „Fruchtigkeit, Frische und ein gewisser ‚Grip‘ sorgen für ein eindeutiges Profil”, betont der 29-Jährige. Sich von gewohnten Weinstilen abzuheben, ist überhaupt sein größtes Anliegen. „Der Markt ist gesättigt, keiner wartet auf Martin Räpple, der lediglich auch Weine macht”, erklärt er selbstironisch in seiner Rolle als Betriebswirt – studiert hat er dies in Mainz, London und Amerika. Mit Blick von außen hat er auch den enormen Druck wahrgenommen, der auf den Erzeugern lastet und den die Konsumenten durch ihre steigenden Ansprüche verursachen. Räpples Erkenntnis:  Es muss etwas Neues, nicht Vergleichbares her. Und bezahlbar muss es sein. Kurz: Topqualität zum erschwinglichen Preis.
Der Winzer in ihm (Ausbildung beim Weingut Thomas Walz, Heitersheim, und Bernhard Koch, Pfalz) gibt die Arbeitsschritte vor. Die beginnen im Weinberg mit konsequenten Qualitätsvorgaben: Traubenteilung, 80 bis 100 kg Ertrag je Hektar sowie gesundes Lesegut. Lockerbeerige Klone, aufmerksame Beobachtung von Wetter und Vegetation spielen eine entscheidende Rolle, ebenso gezielter Pflanzenschutz. Von insgesamt 20 Hektar Weinbergen der Familie bewirtschaftet Martin Räpple 1,5 ha in den Premiumlagen Kirch-, Eich- und Henkenberg.
Weinausbau in der Winzergenossenschaft
Martin Räpple arbeitet mit Kellermeister Leopold Laible Hand in Hand.
Beim Ausbau der „Fasskollektion” schwingt Räpple ebenfalls den Taktstock, während Kellermeister Leopold Laible dem Burgunder-Orchester die Töne entlockt. Weißburgunder, Grauburgunder, Cuvée Weißburgunder & Chardonnay, Spätburgunder Rosé und Spätburgunder Rotwein – klassische Weine in modernem Gewand, ohne Angabe der Qualitätsstufe und für neun Euro je Flasche zu haben. Nur auf den Rotwein, der noch im gebrauchten Barriquefass reift, muss man noch ein wenig warten. Insgesamt 10 000 Flaschen wurden fürs Erste produziert. 5000 sind schon verkauft, und vom Cuvée – der mit der Nummer drei  – ist alles weg. Durchnummeriert hat Räpple seine Weine und so die Individualität unterstrichen. Auch die Etiketten und seinen Gesamtauftritt hat er selbst entworfen. Räpple: „Es war alles im Kopf.” Zur Umsetzung haben ihn seine Freunde Julian Huber vom Weingut Huber in Malterdingen und Friedrich Keller vom Weingut Schwarzer Adler in Oberbergen  – seine „Winzer-Buddies” –  motiviert. Auch fachlich tauschen sich die Jungs aus und Räpple vertreibt jeweils zwei derer Produkte in seinem Onlineshop www.fasskollektion.de.
Fünf Weine umfasst die Fasskollektion.
Neben erfahrenen Weinliebhabern sind vor allem Menschen zwischen 20 und 35 Jahren seine Kunden. Räpples Netzwerk, zu dem auch ausgewählte Gastronomen zählen, hat rasch für die Bekanntheit gesorgt. 
Der Jungunternehmer hat von Anfang an an den Erfolg geglaubt, WG-Geschäftsführer Roland Leininger, Verwaltung und Mitglieder musste er jedoch mit seinem Konzept überzeugen. In einer Versammlung stellte er das Projekt vor. Begeistert waren nicht alle. „Ich stehe unter Beobachtung”, weiß Martin Räpple, „wenn das Projekt gelingt, profitieren alle, wenn es floppt, verliere nur ich.”
Martin Räpple trägt also das volle Risiko selbst, benennt aber unumwunden die Vorteile, die er aus der Kooperation zieht: Er spart Kosten für die Anschaffung von Maschinen. Im Gegenzug bleibt er Mitglied im Kaiserstühler Winzerverein Oberrotweil. Immer wieder würden junge Winzer die WG verlassen, weil sie sich mit dem Konstrukt nicht identifizierten. „Aber wir brauchen die Genossenschaften”, bekräftigt Räpple. Die viele  Nebenerwerbswinzer sorgten schließlich nicht zuletzt für den Erhalt der Kulturlandschaft.