Fachliches | 02. Mai 2019

Wie man den N-Bedarf ermitteln kann

Von Dr. Monika Riedel, WBI Freiburg; Dr. Dietmar Horn, Bodengesundheitsdienst Ochsenfurt
Welche Methoden gibt es, den Stickstoffbedarf festzustellen? Und welche Werte gelten aktuell für im Boden verfügbare Stickstoffmengen? Wir geben Antworten.
Vor der Düngung von Stickstoffmengen über 50 kg N/ha und Jahr oder über 30 kg Phosphat je ha und Jahr ist der jeweilige Düngebedarf festzustellen und auch von relativ kleinen Weinbaubetrieben mit (in der Summe) mehr als zwei Hektar Weinreben, Erdbeeren, Gemüse oder Hopfen zu dokumentieren. Betriebe unter zwei Hektar Größe, die Wirtschaftsdünger (z. B. Stallmist) aus einem anderen Betrieb oder Gärreste aus einer Biogasanlage aufnehmen, sind ebenfalls dazu verpflichtet, wenn sie auf einem Schlag mehr als 50 kg Gesamtstickstoff/ha und Jahr oder 30 kg Phosphat/ha und Jahr aufbringen.
Zur Ermittlung des Düngebedarfs für Stickstoff und der im Boden verfügbaren Stickstoffmengen für jeden Schlag oder jede Bewirtschaftungseinheit können verschiedene Methoden verwendet werden:
  • Bodenuntersuchung (Nmin oder EUF-Methode);
  • Übernahme von Ergebnissen vergleichbarer Standorte (Werte des Nitrat-Informationsdienstes);
  • Berechnungs- und Schätzverfahren.
Für die einzelnen Schläge oder Bewirtschaftungseinheiten wird mithilfe der verschiedenen Methoden eine kultur- und standortbezogene N-Obergrenze abgeleitet, die beispielsweise bei 55 kg N/ha liegen kann. Die N-Düngung wurde bei allen Verfahren auf maximal 80 kg N/ha begrenzt, z. B. für schwachwüchsige Reben mit N-Mangelsymptomen. Bei allen Methoden sind auch die Traubenerträge, die Wüchsigkeit der Reben, der Humusgehalt, die Bodenpflege und die N-Nachlieferung aus einer organischen Düngung im Vorjahr (bei Kompost aus drei Vorjahren) zu berücksichtigen. In Nitratproblem- und Nitratsanierungsgebieten müssen gewisse Flächenanteile beprobt und mit einer Messmethode (Nmin oder EUF-Methode) untersucht werden. Bei der Bemessung der N-Düngung ist auch der betriebliche Nährstoffvergleich zu beachten.
Nmin-Methode
Die verfügbare Stickstoffmenge im Boden begrenzt den Düngebedarf.
Die N-Düngung nach der Nmin-Methode orientiert sich am Sollwert 70 kg N/ha für Rebflächen, die in jeder oder jeder zweiten Gasse begrünt sind und ein Ertragsniveau zwischen 70 und 140 dt/ha aufweisen; davon wird der Nitrat-N-Gehalt des Bodens abgezogen. Seit 15. März 2019 wurden in Baden-Württemberg im Mittel 18 kg Nitrat-N/ha gemessen (Median aus 308 begrünten, bis 60 cm Tiefe beprobten Rebflächen, NID-Auswertung vom 24. April). Bei 18 kg Nitrat-N/ha im Boden wird eine N-Düngung von 52 kg N/ha empfohlen.
Mehrere Schläge können als eine Bewirtschaftungseinheit zusammengefasst werden, zum Beispiel: Ertragsanlagen mit Traubenerträgen zwischen 7 und 14 t/ha, normalem Rebwuchs, Begrünung in jeder Gasse und/oder mit flacher Bodenbearbeitung und Wiederbegrünung in jeder zweiten Gasse, Humusgehalten zwischen 1,5 und 4 % und ohne organische Düngung.
Für starkwüchsige Reben, Humusgehalte über 4 % oder nach dem Umbruch einer langjährigen Begrünung oder einer Begrünung mit hohem Leguminosenanteil sind Abschläge zu kalkulieren. Bei schwachwüchsigen Reben oder geringen Humusgehalten (unter 1,5 %) kann ein Zuschlag berücksichtigt werden. 
Online-Anwendung
Der N-Düngebedarf für Reben kann unter www.duengung-bw.de ermittelt werden. Außerdem ist dort eine Online-Teilnahme am NID (Nitratinformationsdienst) möglich. Weiterhin stehen auch Papiererhebungsformulare zur Verfügung. Auch aktuelle Nitratgehalte für Reben und weitere Kulturen werden dort veröffentlicht.
Der aktuelle Nitrat-N-Gehalt begrünter Rebflächen stimmt relativ gut mit dem langjährigen Mittelwert (15 kg Nitrat-N/ha) überein, mit dem der N-Düngebedarf bereits in den letzten Wochen in Düngung-BW für begrünte Rebflächen berechnet werden konnte. Der Düngebedarf beträgt maximal 55 kg N/ha für begrünte Anlagen mit einem Traubenertrag von 70 bis 140 dt/ha und normalem Rebwuchs, wenn mit dem Referenzwert von 15 kg Nitrat-N/ha gerechnet wird.
Ein Formular zur Ermittlung des N-Düngebedarfs mit der Nmin-Methode für 2019, bei dem auch Werte des NID oder der langjährige Mittelwert verwendet werden kann, ist auch beim WBI zu finden.
EUF-Methode
Bei der EUF-Methode werden in Bodenproben aus 0–60 cm neben Nitrat auch leicht mineralisierbare organische Stickstoffverbindungen (Norg) extrahiert. Sie geben Auskunft über das Stickstoff-Nachlieferungspotenzial während der Vegetation. Weitere Angaben zu Wüchsigkeit, Steinanteil und durchwurzelbarer Bodentiefe sowie Begrünung (Herbst-/Winterbegrünung, Dauerbegrünung, jeweils ganzflächig oder jede zweite Gasse, Alter, Anteil Leguminosen oder Umbruch einer langjährigen Begrünung) und die geplante organische Düngung fließen in die EUF-Düngeempfehlung für Stickstoff ein.
Die Bewertung des Humus ist mit der Erfassung des Stickstoff-Nachlieferungspotenzials im EUF-Norg bereits enthalten. Mit dem EUF-Verfahren werden zusätzlich Nährstoffe wie Phosphat, Kalium, Kalk, Magnesium und Bor bestimmt. Im Jahr 2019 wurden mehr als 2000 Bodenproben nach dem EUF-Verfahren für Reben untersucht; davon stammten rund 1300 Proben aus Franken und über 700 aus Baden-Württemberg. 
Leguminosen-Anteil
In Abhängigkeit vom Stickstoffvorrat, Nachlieferungsvermögen des Bodens und von der Bewirtschaftung werden unterschiedliche N-Düngeempfehlungen ausgesprochen. In der EUF-N-Empfehlung werden 5 bis 10 kg N/ha berücksichtigt, wenn der Anteil an Leguminosen mehr als 50 % beträgt. Weil ein Umbruch mit einer zusätzlichen N-Freisetzung einhergeht, werden auch hier entsprechende Abschläge vorgenommen, die auf der EUF-Empfehlung schlagspezifisch vermerkt sind.
Allgemein ist festzustellen, dass die EUF-Nitratgehalte im Boden im Mittel geringfügig höher sind als im Vorjahr. Gleichzeitig gibt es eine Abnahme für den löslichen organischen EUF-N (Norg), der für die Nachlieferung von Stickstoff bedeutsam ist. Im Ergebnis ist die mittlere EUF-N-Empfehlung 2019 in Baden-Württemberg mit 52 kg N/ha etwas höher als 2018 (44 kg N/ha).Eine Auswahl der Ergebnisse aus Baden-Württemberg für die Bewirtschaftungsformen „dauerbegrünt” und „dauerbegrünt, jede zweite Gasse” ist in der Abbildung dargestellt.
Die in Baden-Württemberg vorherrschenden Rebflächen mit ganzflächiger Dauerbegrünung erhielten im Mittel eine N-Düngeempfehlung von 57 kg N/ha (je nach Standort 0 bis 80 kg N/ha). Eine Übersicht über die mittleren EUF-Stickstoffdüngeempfehlungen bei unterschiedlicher Begrünung in Baden-Württemberg und Franken ist in Tabelle 1 wiedergegeben.
Schätzverfahren
Auch die Düngung von Hand erfordert das richtige Maß.
Beim Schätzverfahren zur Ermittlung des Stickstoff-Düngebedarfs im Weinbau wird stärker nach verschiedenen Bodenpflegeverfahren (z. B. Bodenbearbeitung in jeder Gasse oder jeder zweiten Gasse, Leguminosenanteil in der Begrünung ...) und Humusgehalten unter Berücksichtigung der Bodenart differenziert. Bei Reben mit optimaler Wüchsigkeit, standortangepasster Humusversorgung und Bodenpflege sind Gaben von 40 bis 50 kg N/ha meist ausreichend. Bei schwachwüchsigen Reben mit N-Mangelsymptomen und/oder geringen Humusgehalten kann eine Änderung der Bodenpflege oder auf einzelnen Flächen eine etwas höhere Stickstoffdüngung erforderlich sein. Der Humusgehalt soll mindestens alle sechs bis zehn Jahre untersucht werden. 
Auch zur Berechnung mit dem Schätzverfahren und zur Dokumentation können entsprechende Formulare genutzt werden: Eine ausfüllbare Excel-Tabelle oder das Formular Stickstoff-Düngebedarfsermittlung für Ertragsanlagen im Weinbau (Schätzverfahren).
In Nitratproblem- und Nitratsanierungsgebieten sind in Baden-Württemberg die Vorgaben der SchALVO zur Bemessung der N-Düngung zu beachten und müssen gewisse Flächenanteile beprobt und mit einer Messmethode untersucht werden (siehe Fachinformation "Weinbau in Nitratproblem- und Nitratsanierungsgebieten"). Bodenproben für eine Nitrat-N-Untersuchung mit der Nmin-Methode können in Ertragsanlagen im Zeitraum 15. März bis 30. Juni, in Junganlagen bis 31. Juli entnommen werden. Auch die EUF-Methode ist als Messmethode für Reben in Nitratproblem- und -sanierungsgebieten unter der Voraussetzung anerkannt, dass die Bodenprobe nicht vor März entnommen wird.
Dokumentation
Ausführliche Informationen zur Düngung (auch weiterer Nährstoffe) und zu Dokumentationspflichten sind in „Der Badische Winzer” vom April 2019 zu finden (in der Heftmitte zum Entnehmen und Aufbewahren). Details zum Nährstoffvergleich wurden in „Der Badische Winzer” im März 2019 (Seite 29 bis 30) dargestellt. Betriebe, die auf keinem Schlag mehr als 50 kg Gesamtstickstoff oder mehr als 30 kg Phosphat/ha und Jahr aufbringen, sind von den meisten Dokumentationspflichten der Düngeverordnung befreit. Weitere Informationen hier.
In Junganlagen reicht in der Regel eine Düngung von 30 bis 50 kg N/ha, bei hohen Nitratgehalten oder häufigerer Bodenbearbeitung kann auch auf eine N-Düngung verzichtet werden. In Neuanlagen ist nach intensiver Bodenbearbeitung so viel Nitrat vorhanden, dass eine N-Düngung nur in seltenen Fällen notwendig sein wird. Nach jeder Bodenbearbeitung ist innerhalb von etwa zwei bis drei Wochen mit einer N-Freisetzung von mindestens rund  20 kg N/ha zu rechnen.