Nachrichten | 04. August 2016

Winzerkeller sieht sich auf Kurs

Von Hans Hörl
Der Auszahlungspreis des Badischen Winzerkellers lag im Jahr 2015 auf Vorjahreshöhe. Der Umsatz der Breisacher Genossenschaft legte um 1,5 Prozent auf 41 Millionen Euro zu, der Erlös pro Liter blieb auf unverändertem Niveau.
Mit 8660 Euro pro Hektar im Vergleich zum Vorjahr mit 8650 Euro nahezu unverändert  geblieben ist der durchschnittliche Auszahlungspreis des Badischen Winzerkellers (BWK) im Jahr 2015, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Schuster im Vorfeld der Generalversammlung bei einer Pressekonferenz in Breisach berichtete. „Damit befindet sich der Badische Winzerkeller zwar auf solidem Kurs. Man muss auch sehen, woher wir kommen. Trotzdem ist das kein Grund für völlige Zufriedenheit.” Man habe noch ein hartes Stück Arbeit vor sich. 
Marktdruck
Mit 2,88 Euro sei auch der Erlös pro Liter stabil geblieben. Laut Schuster ist der Marktdruck 2015 spürbarer gewesen als je zuvor. Er erhob deshalb die Forderung: „Die Erzeuger müssen sich stärker konzentrieren und konsolidieren.” Ein Plus von 1,5 % beim Umsatz auf rund 41 Millionen Euro nach einem Rückgang von 12 Prozent im Vorjahr wertete er als Signal für das Ende der Abwärtsbewegung der vergangenen Jahre. Die Rebfläche der Genossenschaft hat sich laut Geschäftsbericht um 46 auf 1770 Hektar verringert. „Der Flächenrückgang der Vergangenheit ist auf Fusionen und Unzufriedenheit zurückzuführen. In den letzten drei bis vier Jahren herrscht an dieser Front Ruhe”, kommentierte Schuster. 
Einlagerungsmenge kleiner
Dem Lese-Jahrgang 2015 sprach Vorstandsmitglied Eckart Escher „granatenmäßige Qualität” zu. Im Durchschnitt seien 94 bis 95 Grad Oechsle erreicht worden. Pro Ar  habe man 105 Kilo gelesen, ein Minus von 17 Kilo im Vergleich zu 2014. Entsprechend sei die Eingangsmenge von 14,8 Millionen Liter deutlich geringer ausgefallen als 2014 mit 18,4 Millionen Liter. Verantwortlich dafür seien 3000 Winzer in 30 voll- und 23 teilabliefernden Genossenschaften. Bei den Rebsorten stehe der Spätburgunder mit 43 Prozent im Vordergrund, gefolgt von Müller-Thurgau (22 Prozent), Ruländer (12 Prozent) und Weißburgunder (11 Prozent).  
Escher sprach von einem kurzen, intensiven Herbst. 40 Prozent des Leseguts wurden mit dem Traubenvollernter gewonnen. Dieser Anteil soll noch steigen. „Mit dem Vollernter kann man schon ab acht Uhr früh liefern, wodurch man relativ kühles Lesegut erhält und die Anlieferung entzerrt. Das ist gut für die Qualität”, sagte Escher. 
Deutscher Wein gerät ins Hintertreffen
Christof Joos, verantwortlich fürs Marketing, warf einen Blick auf die Entwicklungen in der Weinbranche. „Wir haben es mit einem gesättigten, aber stabilen Markt zu tun, auf dem der deutsche Wein immer mehr ins Hintertreffen gerät”, bedauerte er. Der Badische Winzerkeller setze vier Fünftel seines Weins über den Lebensmitteleinzelhandel ab. Wie der Marketingfachmann einräumte, hat der badische Wein seinen Marktanteil bei den deutschen Weinen im Lebensmittelhandel und bei den Discountern nicht behaupten können und erreiche nur noch 12 statt 13 Prozent. Beim Lebensmittelhandel sei das Ziel, Distributionsanteile zurückzugewinnen, wie Schuster angab. „Wir hatten eine zu kleine Ernte, vor allem beim Grauburgunder. Daraufhin wurden auch unsere übrigen Sorten auf weniger Regalfläche angeboten; diese wurde mit Weinen aus Chile, Südafrika oder Kalifornien besetzt.” 
Online-Zuwächse
Er berichtete von verstärkten Vertriebsanstrengungen: „Wir haben drei neue Kräfte eingestellt und kommen nun in diesem Bereich auf 12 bis 15 Mitarbeiter.” Im Zuge der Umstrukturierung habe man das Netz der Handelsagenturen überprüft und konzentriert. In der Folge habe es erste Steigerungen beim Umsatz gegeben. Im Fachhandel sei der Umsatz rückläufig, doch bestehe seiner Ansicht nach das Potenzial, das Ruder herumzureißen.
Während der Absatz an die Gastronomie stabil geblieben sei, habe es bei den Privatkunden ein Plus von etwa 5 % und im Direktabsatz sogar von 15 % gegeben, wobei vor allem im Online-Bereich Zuwächse hätten erzielt werden können. „Diese Verkaufsform müssen wir pflegen und ihr Potenzial entdecken”, forderte Schuster. Als ein weiteres Ziel nannte Schuster die Stärkung der Marken wie „Martin Schongauer”, „Schloss Munzingen” oder „Hansjakob”. „Diese Weine haben zweistellige Zuwächse zu verzeichnen”, freute er sich.  Der Umsatz beispielsweise bei „Martin Schongauer” sei bereits siebenstellig.  Im Jahr 2015 wurde mit 7,8 Millionen Euro überdurchschnittlich viel investiert, darunter in eine  zweite Annahmestation für Vollernter und eine  Abfüllanlage. Zweite Annahmestation für Vollernter Besonders hob er die Folge-Investitionen in die zweite Annahmestation für Vollernter sowie die Anschaffung einer neuen Abfüllanlage hervor. Die durchschnittlichen Investitionen der letzten Jahre betrugen damit 2,8 Millionen Euro – „und in diese Größenordnung gehören wir”, unterstrich Schuster. Zu den wichtigsten Zielen gehörten kürzere Wartezeiten beim Pressen. „Wir haben ein enormes Potenzial, das wir in den nächsten Jahren heben wollen”, sagte er. Weitere Verbesserungen strebe man bei den Sorten, Transport, Vertrieb und Marketing an. Dabei müsse man ganz Baden im Auge behalten, denn „wir hängen an Baden, und Baden hängt an uns.” Schließlich sagte Schuster: „Wir setzen auf Qualität, qualitatives Wachstum und verstärkte Marktpräsenz. Wir setzen nicht auf Luftblasen!”
Zeller neuer Aufsichtsratsvorsitzender
Von links: Dr. Peter Schuster, Vorstandsvorsitzender; Harald Weiss, Schriesheim; Edgar Gimbel, Schallstadt; Thomas Honold, Malsch; Ernst Fünfgeld, Heitersheim; Mathias Meier, Kenzingen; Bernd Hildwein, Malterdingen; Eckard Schneider, Leiselheim; Bernd Simon, Tiengen; Erwin Mick, Teningen-Nimburg; Rainer Zeller, Müllheim-Britzingen; Günter Linser, Opfingen; Rolf Mauch, Lahr-Sulz; Eckart Escher, Merdingen, ehrenamtliches Vorstandsmitglied.
Bei der Generalversammlung des Badischen Winzerkellers wurde Eckart Escher als nicht hauptamtlicher Vorstand bestätigt. Für ihn und den Bereich Tuniberg wurde Bernd Simon in den Aufsichtsrat gewählt. Zudem gab es Wiederwahlen der Aufsichtsratsmitglieder Rainer Zeller und Ernst Fünfgeld, beide für das Markgräflerland, und Rolf Mauch für den Breisgau. Für den ausscheidenden Jürgen Bender wurde Thomas Honold für den Kraichgau in den Aufsichtsrat gewählt. Rainer Zeller, bisheriger stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, wurde bei der konstituierenden SItzung als Aufsichtsratsvorsitzender gewählt, sein Stellvertreter ist Edgar Gimbel aus Schallstadt. Unser Bild zeigt Vorstand und Aufsichtsrat (von links): Dr. Peter Schuster, Vorstandsvorsitzender; Harald Weiss, Schriesheim; Edgar Gimbel, Schallstadt; Thomas Honold, Malsch; Ernst Fünfgeld, Heitersheim; Mathias Meier, Kenzingen; Bernd Hildwein, Malterdingen; Eckard Schneider, Leiselheim; Bernd Simon, Tiengen; Erwin Mick, Teningen-Nimburg; Rainer Zeller, Müllheim-Britzingen; Günter Linser, Opfingen; Rolf Mauch, Lahr-Sulz; Eckart Escher, Merdingen, ehrenamtliches Vorstandsmitglied. BWK/red