Nachrichten | 05. September 2019

Ministerbesuch: „Wir haben Angst”

Von Gerda Oswald
Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk und der Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner (CDU) waren bei der WG Glottertal. Der Drohneneinsatz im Rebberg und vor allem das Volksbegehren beschäftigten Winzer und Landwirte.
Minister Peter Hauk, WG-Geschäftsführer Udo Opel, BLHV-Präsident Werner Räpple und Felix Schreiner (von rechts) hatten mit Volksbegehren und Klimawandel existenzielle Themen für den Landbau auf der Tagesordnung.
Rund 80 Winzer, Landwirte und Bürgermeister erwarteten Minister Peter Hauk und den Abgeordneten Schreiner. WG-Geschäftsführer Udo Opel führte die 25 Kilogramm schwere Drohne vor, wie sie mit einer Füllmenge von 12,5 kg GPS-gesteuert 15 Ar der Reb-Versuchsfläche mit Pflanzenschutzmittel besprüht. So interessant das war, wollten die Gäste mit dem Minister jedoch anderes bereden: die Folgen des Klimawandels für Land-, Forst- und Weinwirtschaft sowie das Volksbegehren.
Die Erde habe sich um ein Grad erwärmt. Winzer und Bauern würden dies direkt spüren, denn die Blüte sei zehn Tage früher, die Sommer länger und trockener und der Regen komme zu „spät” nach der Vegetationsphase, so Hauk. „Deshalb braucht es ein Risiko-Management-System”, sagte der Minister.
Da die Bauern bei der schmalen Gewinnmarge keine Risikorücklagen bilden könnten, aber diese Art Versicherung nicht alleine schultern könnten, müssten Land und Bund mindestens zur Hälfte einspringen. Was versichert werde, sei Sache der Betriebe. Dann gäbe es aber keine Sondermittel etwa nach Frösten oder Dürren mehr. Für diese Worte erhielt der Minster Beifall.
Hauk hörte sich die Sorgen der Winzer und Landwirte genau an. „Was machen wir, wenn sich das Volksbegehren durchsetzt und das Gesetz kommt? Bei den Winzern herrscht Panik”, sagte Weinbaupräsident Kilian Schneider, denn ein Drittel der Rebfläche sei betroffen. „Die Stimmung ist am Boden”, beschrieb es BLHV-Präsident Werner Räpple. In den Schutzgebieten Kaiserstuhl und Markgräflerland würde dann absolutes Spritzverbot herrschen. Biodiversität sei aber längst in den Betrieben angekommen. Eine gemeinsame Beregnungsanlage sei nicht mehr realisierbar.
„Es geht um unsere Existenz”
Auch Landfrau Regina Emmler aus Freiburg zeichnete ein emotionales Bild: „Wir haben Angst. Es geht um unsere Existenzen, unsere Betriebe, unsere Familien. Haupterwerb hat keine anderen Einkommen.” Gabriel Schweizer, ehemaliger Bürgermeister aus Vogtsburg, erinnerte, dass das Vogelschutzgebiet am Kaiserstuhl viel Landesmittel erhalten habe. Das Flammverbot für die Hänge habe jedoch eine Reduzierung der Arten von 24 auf vier verursacht. Erst seit das Gelände wieder offen gehalten werde, gebe es wieder mehr Arten.
„Es fehlt an Wissen. Kulturlandschaften können nur mit Bewirtschaftung erhalten werden”, so Schweizer. In der Bevölkerung, vor allem in den Städten, herrsche ein falsches Bild über Bewirtschaftung.
Peter Hauk erklärte, er halte die landwirtschaftliche Flurbereinigung für unabdingbar. Das eingebrachte Gesetz aus dem Volksbegehren sei momentan im Innenministerium und werde formal geprüft. Stimme das Parlament zu, werde die Vorlage Gesetz. Lehne es ab, dann komme es zum Volksentscheid. Zu diesem Zeitpunkt wolle er ein Alternativgesetz einbringen, das die Bienen schütze, aber nicht nur auf dem Spritzverbot beruhe. So etwa Lichtverschmutzung, Schottergärten oder Pflanzenschutz durch GPS-gesteuerte Geräte (15 % Reduktion).
Die Bevölkerung wisse wenig über die Auswirkungen des Gesetzes. Etwa, dass viele Betriebe aufhören würden, regionale Lebensmittel wegbrechen und die Kulturlandschaft zuwachsen könnten. Hauk forderte die Winzer, Landwirte und Bürgermeister auf, die Menschen darüber zu informieren. Der Geschäftsführer der WG Glottertal, Udo Opel, bat den Minister abschließend: „Wir brauchen Ihre Hilfe.”