Fachliches
| 08. Juni 2021
Zikaden nicht unnötig aufscheuchen
Von Dr. Michael Breuer, Staatliches Weinbauinstitut Freiburg
Die durch Phytoplasmen hervorgerufene Schwarzholzkrankheit ist in vielen Weinbergen in Baden zu beobachten. Als Überträger gilt die Winden-Glasflügelzikade. Die „Übergriffe” auf die Reben und somit die Übertragung der Schwarzholzkrankheit lassen sich aber vermeiden.
Abb. 1: Typisch für die Schwarzholzkrankheit ist bei weißen Rebsorten ein Vergilben der Blätter. Auch ein Blattrollen ist häufig zu beobachten.
Ein typisches Anzeichen der Schwarzholzkrankheit ist die Verfärbungen der Blätter – siehe Abbildung 1. Bei roten Sorten ist die beginnende Rotfärbung einzelner Blattsektoren auffällig, die sich im weiteren Verlauf auf die gesamte Blattspreite ausbreitet. Weiße Rebsorten verfärben sich langsam hellgelb bis hellgrün.
Die befallenen Rebblätter werden spröde und rollen sich teilweise nach unten ein. Die genannten Symptome sind frühestens nach der Blüte sichtbar, meist aber erst im Spätsommer im August bis September.
Schwarzholzkrankheit
Schwarzholzkranke Triebe bleiben grün oder verholzen nur unvollständig,
wodurch sie im darauffolgenden Winter absterben und schwarz werden.
Häufig sind nur einzelne Triebe betroffen. Je nachdem, zu welchem
Zeitpunkt die Symptome auftreten, fallen die Gescheine nach der Blüte
ab, reifen die Trauben nicht aus oder trocknen am Stock ein und fallen
nach und nach ab. Die Beeren haben einen sauren, bitteren Geschmack.
Da einzelne Symptombilder auch durch andere Krankheiten, Schädlinge und mechanische Schädigung der Leitbahnen hervorgerufen werden können, ist für die Diagnose eine Kombination der Symptome an Blättern, Trieben und Trauben wichtig.
Da einzelne Symptombilder auch durch andere Krankheiten, Schädlinge und mechanische Schädigung der Leitbahnen hervorgerufen werden können, ist für die Diagnose eine Kombination der Symptome an Blättern, Trieben und Trauben wichtig.
Erreger und Vektoren
Die Erreger der
Schwarzholzkrankheit, zellwandlose Bakterien (Phytoplasmen), können von
der Winden-Glasflügelzikade auf die Rebe übertragen werden. Die Zikaden
sind sehr typisch gefärbt, was Abbildung 2 zeigt, aber nur vier bis
sechs Millimeter groß und daher nicht so leicht zu entdecken.
Die
Wirtspflanzen dieser Insekten sind vor allem Brennnessel und Ackerwinde.
An diesen Pflanzen saugen die Tiere und im Wurzelbereich entwickeln
sich die Larven. Falls diese Pflanzen mit Phytoplasmen befallen sind,
können sich auch die Zikaden infizieren. Normalerweise sind die Zikaden
sehr standortstreu und halten sich vor allem in der Nähe ihrer
Wirtspflanzen auf. Werden diese jedoch während oder kurz vor der
Flugzeit der Zikade entfernt durch Mähen, Mulchen oder dergleichen oder
durch Vertrocknen, kann das dazu führen, dass die Schädlinge auf der
Suche nach einer neuen Nahrungsquelle auch die Reben anfliegen. Dabei
kann eine mit Brennnessel- oder Ackerwinden-Phytoplasmen kontaminierte
Zikade auch die Weinrebe infizieren.
Auch eine starke Überpopulation der
Zikade kann dazu führen, dass sie längere Flüge unternimmt und bei der
Nahrungssuche auch Reben ansticht. An den Reben selbst kann sich das
Insekt auf Dauer weder ernähren noch entwickeln; sie ist auf die
genannten Wirtspflanzen angewiesen.
Biologie der Schädlinge
Die
Zikaden verbringen die meiste Zeit ihres Lebens im Boden an den Wurzeln
ihrer Wirtspflanzen – siehe Abbildung 3. Hier entwickeln sich die Larven
über den Winter hinweg. Die ausgewachsenen Insekten schlüpfen dann im
Sommer aus dem Boden und leben oberirdisch an den krautigen Pflanzen. In
vielen Jahren beginnt die Flugzeit der erwachsenen Zikaden Mitte bis
Ende Juni.
Ist das Frühjahr sehr warm, schlüpfen erste Tiere bereits früher. So konnten bei Untersuchungen des Staatlichen Weinbauinstituts nach einem sehr warmen Frühjahr erste Zikaden bereits Anfang Juni beobachtet werden. Die „Hochzeit” der Zikaden ist in der Regel der Juli. Zu dieser Zeit legen die Weibchen ihre Eier in den Boden. Lockere, skelettreiche Böden sind anscheinend für die Larvenentwicklung besonders vorteilhaft.
Die Winden-Glasflügelzikade ist eine wärmeliebende Insektenart. Dementsprechend kommt sie bevorzugt an sehr sonnenbeschienenen Standorten vor. Hier sind Lebens- und Vermehrungsbedingungen besonders günstig. Daher gilt besondere Aufmerksamkeit den Brennnessel- und Ackerwindenbeständen an Böschungen, in Querterrassen, an sonnenbeschienenen Wegrändern, in aufgelassenen Weinbergen, in Rebanlagen mit Nord-Süd-Ausrichtung und besonders bei lückiger Vegetation, wie sie in Abbildung 4 dargestellt ist.
Ist das Frühjahr sehr warm, schlüpfen erste Tiere bereits früher. So konnten bei Untersuchungen des Staatlichen Weinbauinstituts nach einem sehr warmen Frühjahr erste Zikaden bereits Anfang Juni beobachtet werden. Die „Hochzeit” der Zikaden ist in der Regel der Juli. Zu dieser Zeit legen die Weibchen ihre Eier in den Boden. Lockere, skelettreiche Böden sind anscheinend für die Larvenentwicklung besonders vorteilhaft.
Die Winden-Glasflügelzikade ist eine wärmeliebende Insektenart. Dementsprechend kommt sie bevorzugt an sehr sonnenbeschienenen Standorten vor. Hier sind Lebens- und Vermehrungsbedingungen besonders günstig. Daher gilt besondere Aufmerksamkeit den Brennnessel- und Ackerwindenbeständen an Böschungen, in Querterrassen, an sonnenbeschienenen Wegrändern, in aufgelassenen Weinbergen, in Rebanlagen mit Nord-Süd-Ausrichtung und besonders bei lückiger Vegetation, wie sie in Abbildung 4 dargestellt ist.
Während der Flugzeit möglichst in Ruhe lassen
Abb. 4: An solchen eher lückigen Brennnesselbeständen in sonnenbeschienener Lage können sich die Zikaden in großer Zahl entwickeln.
Das Vermeiden einer Störung der Insekten ist eine sehr wirksame Strategie, um der Ausbreitung der Schwarzholzkrankheit entgegenzuwirken. Einen Hinweis zum Beginn der Flugzeit gibt ein Prognosetool in VitiMeteo. Dieses ist unter „Prognose Modelle” unter dem Reiter „Schädlinge” und „Schwarzholz” zu finden. Man kann dort zwischen dem Ackerwinden- und Brennnesseltyp auswählen. Zu beachten sind auch die Rebschutzhinweise.